ePredigt vom 03.07.2016 (Römer 6, 3-8)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 6. Sonntag nach Trinitatis. Der heutige Sonntag wird auch als Taufgedächtnissonntag bezeichnet. Daher beschäftigt sich unser heutiger Predigttext auch mit der Taufe. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 6. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 3-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Liebe Gemeinde,

die Taufe ist ein zentrales Thema in unserem Leben als Christen. Was passiert eigentlich bei der Taufe? Warum lassen wir uns taufen? Welche Wirkung hat die Taufe? Alles Fragen, denen wir uns heute Morgen einmal widmen wollen. Wir könnten jetzt ja auch ganz genüsslich darüber streiten, ob die Kindestaufe oder aber die Erwachsenentaufe „die“ richtige Taufe sind. Über diesen Streitpunkt würden wir aber ganz vergessen, was denn wirklich hinter der Taufe steckt. Und darum sollte es uns doch eigentlich gehen.

Wenn ich mir die Taufe näher betrachte, dann fallen mir drei Bedeutungen und Sichtweisen der Taufe ein:

1. Das äußere Zeichen

Wenn ein Mensch sich zu Gott bekehrt und ihn in sein Leben einlädt, dann wird er es erleben, dass er geistlich wiedergeboren ist. Das ist nun kein theatralischer Akt, sondern einfach ein Faktum. Um dies auch rein äußerlich sichtbar zu machen, lässt sich dieser Mensch taufen.

Man könnte ja durchaus die Meinung vertreten, dass es der Taufe doch eigentlich gar nicht bedarf und dass dahinter mehr ein frommes Ritual vergangener Tage denn eine heute noch real wichtige Handlung steht. Ich glaube, dem ist nicht so. Wenn unser Herr uns in seinem Taufbefehl ausdrücklich auferlegt, dass wir hinausgehen sollen und zu Jüngern machen sollen alle Völker, dann hat dieser Satz auch noch einen Folgeauftrag, welcher lautet: „Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Wenn uns unser Herr diesen Taufauftrag erteilt, dann sollten wir diesen auch nicht hinterfragen, sondern ihn befolgen. Wenn uns unser Chef in unserer Firma einen Auftrag erteilt, dann zweifeln wir vermutlich auch nicht immer wieder den Sinn und Zweck dieses Auftrages an. Wir führen ihn einfach aus, weil wir dem Chef vertrauen. Das sollten wir mit dem Taufbefehl ebenso machen. Die Bedeutung der Taufe unterstreicht Jesus übrigens auch schon dadurch dass er selber, der es doch gar nicht nötig hätte, sich hat taufen lassen.

2. Das Wasserbad

Wenn wir im Garten gearbeitet haben und so richtig schmutzig sind, dann macht es Sinn dass wir uns unsere Hände waschen, bevor wir zum Beispiel das Abendessen einnehmen. Die Taufe ist ein Sinnbild welches dieser Reinigung sehr ähnlich ist.

Von Natur aus sind wir alle Sünder. Als Sünder haftet der Schmutz der Sünde uns derart an, dass wir diesen überall, wo wir gehen und stehen verteilen. Um von dem Schmutz unserer alten Sünden gereinigt zu werden, dient das Wasser der Taufe als Sinnbild.

Mit dem Wasser der Taufe werden alle unsere Sünden und alles, was uns von Gott trennt in einem Ritual abgewaschen, sodass wir vor Gott wieder rein und unbefleckt von der Sünde erscheinen können.

Wenn wir uns den Epheserbrief anschauen, dann geht mit der Taufe auch noch ein weiterer Akt einher, nämlich der Akt des Bundes mit Jesus Christus. Wie wir es an vielen Stellen der Bibel nachlesen können, wird Christus als der Bräutigam und wir als seine Braut beschrieben. Mit der Taufe gehen wir quasi eine Eheschließung mit Gott ein.

Während unsere irdischen Ehen nur bis zum Tode eines Ehepartners gelten, gilt diese himmlische Eheschließung von dem Zeitpunkt der Taufe an bis in alle Ewigkeit. Der Täufling sagt also zu seinem Herrn sinngemäß: Ich will dich lieben und Ehren bis an mein Lebensende und weit darüber hinaus in alle Ewigkeiten.

Somit zeigt der Täufling ganz banal ausgedrückt: Ab heute bin ich zusammen mit meinem Herrn unterwegs. Nichts kann uns mehr trennen, wir machen fortan alles gemeinsam.

3. Sterben und Auferstehen

Nicht zuletzt ist die Taufe auch ein Symbol für das Sterben und die Auferstehung.

Wenn zum Beispiel Baptisten die Tauffeier begehen, dann wird zumeist der Täufling, der in einem Taufgewand erscheint, mit dem ganzen Körper untergetaucht. Danach taucht er natürlich wieder auf.

Für die Menschen zu Zeiten Jesu war der Atem das einzige und sichere Zeichen des Lebens. Wenn jemand nun unter Wasser gedrückt wird, dann atmet er naturgemäß nicht mehr. Dieser Zustand soll den Tod symbolisieren. Was tot ist, dass existiert fortan nicht mehr. Und somit sind auch mit dem Untertauchen all unsere Sünden für Gott nicht mehr existent.

Nach dem Auftauchen atmet der Getaufte natürlich wieder ein. Jetzt aber einen freien und neuen Atem, einen Atem, der frei von aller Sünde und aller Last der Vergangenheit ist. Der Getaufte beginnt nunmehr ein neues Leben mit Jesus Christus an seiner Seite.

Wer es ernst meint mir der Taufe, und nur der sollte sich natürlich auch taufen lassen, der wird alsbald merken, dass sich sein Leben so nach und nach verändert. Mit der Taufe ist er nicht nur ein neuer Mensch geworden, sondern steht nunmehr auch unter dem direkten Einfluss des Heiligen Geistes. Wenn wir es so wollen, dann holen wir mit der Taufe Gott in unser Leben hinein.

Wohlgemerkt, nicht nur in unser Sonntagsleben, nein, wenn wir es wirklich ernst meinen und auf die Führung des Heiligen Geistes vertrauen, dann werden wir sehr schnell sein Wirken in unserem Leben spüren können. Viele Neugetaufte berichten darüber, dass in ihrem Leben ein radikaler Sinneswandel stattgefunden hat. Sünden, denen sie früher gern nachgegangen sind, bereiteten ihnen auf einmal „Bauchschmerzen“.

Viele Täuflinge berichten auch von einem Zug des Heiligen Geistes, der sie förmlich in die Gemeinschaft mit anderen Christen hineinzieht. Ich glaube, jeder von uns erlebt dies ein wenig anders, aber der Grundtenor ist sicherlich immer der, dass wir mit Christus ein anderes neues Leben führen als dies bisher der Fall war.

Sie erinnern sich noch an den eingangs erwähnten Taufbefehl? Dieser hat auch noch eine weitreichende Konsequenz, welche uns Jesus ebenfalls kundtut, wenn er sagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Das heißt für uns alle ganz praktisch, dass Jesus in unser aller Leben stets neben uns ist. Egal, was auch immer geschehen mag, wir sind niemals mehr allein. Kein Leid dieser Welt, welches uns trifft, müssen wir mehr allein durchstehen, wir haben immer einen Leidensgenossen an unserer Seite, der uns trägt und der uns hält.

Aber auch alle Freude im Leben dürfen wir mit ihm teilen und dann werden wir merken, dass wirklich geteiltes Leid halbes Leid und geteilte Freude doppelte Freude ist.

Und wenn wir uns diese Zusage Jesu ganz genau betrachten, dann steht da ja nicht „Ich bin bei euch alle Tage bis an euer selig Ende, nein, da steht „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Das heißt, dass auch nach unserer vielleicht größten irdischen Leidensstunde, der Stunde unsers Todes, der Weg mit ihm an unserer Seite eben nicht zu Ende ist, sondern dass dieser Weg einfach weitergeht. Und zwar solange bis wir alle einmal gemeinsam mit unserem Herrn in dem neuen Jerusalem zusammenleben werden.

Taufe ist also schon ein wenig mehr, als ein paar Wasserspritzer auf dem Kopf und einer Taufkerze in der Hand.

Die Wirkung der Taufe beschreibt auch der Liederdichter Johann Jakob Rambach sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Ich bin getauft auf deinen Namen…“ (EG 200), der da lautet, wie folgt:

Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Sommerwoche.

Bleiben Sie alle wohlbehütet, das wünscht Ihnen Ihr

Ulrich Naber