ePredigt vom 03.03.2013 (Jeremia 20, 7-11a)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli.
Meine Augen sehen stets auf den Herrn, so lautet die Übersetzung für den heutigen
Sonntag. Und um die lebendige Beziehung des Menschen zu Gott geht es
auch in unserem heutigen Predigttext.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jeremia
im 20. Kapitel die Verse 7-11a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Last des Prophetenamtes

Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du
bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum
Spott geworden täglich und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede,
muss ich schreien; „Frevel und Gewalt“ muss ich rufen. Denn des Herrn
Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will
nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber
es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen
verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte; ich wäre schier
vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: „Schrecken ist um
und um !“ „Verklagt ihn !“ „Wir wollen ihn verklagen !“ Alle meine
Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: „Vielleicht lässt er
sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.“
Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine
Verfolger fallen und nicht gewinnen.

Liebe Gemeinde,

als ich den Text gelesen hatte, da kam mir die Überschrift ein wenig
unpassend vor. Denn so wie es dem Propheten Jeremia ergeht, so ergeht
es uns allen in unserem Christenleben. Ein Leben als Christ ist eben
nicht von dauernder Freude und Seligkeit und immerwähredem Halleluja
gezeichnet. Ein Leben als Christ hat Höhen und Tiefen. Lassen Sie uns
doch heute morgen einmal einen Blick auf ein ganz normales Christenleben
werfen. Lassen Sie uns dabei einfach chronologisch vorgehen.

1. Die Bekehrung

„Du hast gewonnen“ so lesen wir es gleich zu Beginn unseres
Predigttextes. So ist es in der Tat auch bei unserer Bekehrung, wenn sie
denn nicht einfach eine bloße Schwärmerei war. Ich glaube jeder
Bekehrung geht auch ein innerer Kampf voraus. Bei den meisten Menschen,
die ich im Laufe meines Lebens kennengelernt habe, war es jedenfalls so.
Keiner meiner Bekannten hatte eine Damaskusstunde erlebt, sondern
vielmehr eine Damaskusperiode an deren Ende die ehrliche und dauerhafte
Bekehrung stand.

Daher bin ich auch immer ein wenig vorsichtig, wenn direkt nach
Evangelisationsveranstaltungen Massenbekehrungen stattfinden.

So, jetzt hat sich der Christ also soeben bekehrt. Eigentlich sollte
jetzt alles gut sein. Die anfängliche Freude und der starke innere
Frieden werden sich aber alsbald legen. Denn mit unserer Bekehrung kommt
auch unser Gegenspieler der Teufel ins Spiel. Er wird versuchen uns mit
allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln von unserem Entschluss
abzubringen.

Spott und Hohn sind vortreffliche Werkzeuge um unsere Entscheidung der
Bekehrung ins Wanken zu bringen. Das fängt in der Familie an, wo man
vielleicht der einzige Christ ist und wo von nun an nur noch von dem mit
dem „Jesusfimmel“ gesprochen wird. Im Freundeskreis wird man vielleicht
als derjenige mit dem Heiligenschein bezeichnet. Und auch im Berufsleben
darf man als Christ nicht all zu dünnhäutig sein.

2. Die Zweifel

Jeder Christ hat Perioden des Zweifelns. Das ist auch ganz natürlich.
Wir sind ja keine Dummbatze, die irgendeinem Führer blindlings folgen,
egal wohin die Reise geht. Mit unsere Zweifeln befinden wir uns übrigens
in guter Gesellschaft, wie wir gleich zu Beginn der Bibel nachlesen können.

Als Mose die Israeliten aus Ägypten herausgeführt hatte, fingen sie
sogleich an zu nörgeln, weil nicht alles so war, wie sie es sich
vorgestellt hatten. Die Schlussfolgerung der Israeliten war: „Wären wir
doch mal besser in Ägypten geblieben“.

Und so fragt sich jeder Christ irgendwann einmal: „War denn meine
Entscheidung richtig ? Das ist auch ganz natürlich so, wenn wir uns
immer wieder Anfechtungen ausgesetzt sehen, die wir vorher gar nicht hatten.

Das merkte auch Jeremia. Er steht, salopp gesprochen kurz davor, den
ganzen Krempel hinzuschmeißen. Und dann auf einmal geschieht etwas
vollkommen unerwartetes.

3. Gottes Wirken

Zweifel sind, wie wir gehört haben, also ganz normal. Wir dürfen wanken,
aber wir werden niemals fallen. Diese Zusage erfährt auch Jeremia. Kurz
bevor aus Zweifeln eine echte Verzweiflung wird, dürfen wir das Wirken
Gottes in unserem Leben spüren und erfahren.

Wenn die Not am größten ist, dann ist Er nur noch eine Handbreit von uns
entfernt. Jeremia bezeichnet den Herrn folgerichtig auch als starken
Helden. Und ein starker Held das ist Er auch.

Der Herr wird uns niemals am Leiden vorbeiführen, aber immer durch das
Leiden hindurch, so sagte es schon der große Theologe Prof. Dr. Dietrich
Bonhoeffer.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Zweifel nicht nur ein lästiges Übel
in unserem Leben sind, sondern dass Zweifel und Anfechtung uns als
Christen erst so richtig wachsen lassen in unserem Glauben.
Betrachten wir unsere Beziehung zu Gott einmal als eine Lebensgemeinschaft,
was sie ja auch ist.

Welches sind die glücklichsten Ehen ? Es sind nicht die, wo scheinbar
alles immer glatt geht. Nein, es sind die Ehen, wo es auch mal so
richtig kracht. Es sind die Ehen wo noch miteinander gesprochen wird und
man nicht nebeneinander herlebt. Und es sind die Ehen, wo sich die
Partner wieder vertragen. Und genau das schweißt zusammen und schafft
Vertrauen.

Ähnlich ist es auch in unserer Lebensgemeinschaft mit unserem Herrn. Wir
werden angefochten, wir zweifeln und wir hadern. Und schlussendlich
dürfen wir immer wieder erfahren, wie sich doch alles zum Guten wendet.
Und diese Gewissheit macht uns als Christen immer stärker. Egal was auch
passiert, in der größten Dunkelheit dürfen wir gewiss sein, dass Gott
eingreifen wird. Aus jedem Zweifel und aus jeder Anfechtung werden wir
immer ein wenig stärker herauskommen, als wir hineingekommen sind.

Ich wünsche uns allen, dass wir selbst in der Gewissheit unseres Todes
die letzten Worte Bonhoeffers für uns in Anspruch nehmen können, die da
waren: „Das ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens.“

Gestärkt durch das direkte Eingreifen Gottes in unser Leben können wir
alle ganz bestimmt in das Lied von Dietrich Bonhoeffer einstimmen:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir SEINEN Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten
Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber