Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Tage der Himmelfahrt unseres Herrn. An dem heutigen Tage gedenken wir an die Rückkehr des auferstandenen Herrn in Sein Reich. Und trotzdem handelt Gott auch heute noch in dieser Welt.

Wenn wir uns den heutigen Predigttext betrachten, dann stellen wir fest, dass dieser ja aus dem Alten Testament stammt. Schon damals handelte Gott. Dann handelte Gott, als Er Mensch wurde und nun handelt Er wieder aus der für uns unsichtbaren Welt heraus. Bevor wir gemeinsam über den Predigttext des heutigen Sonntages nachdenken, lassen Sie uns diesen zusammen lesen. Wir finden den Predigttext für den heutigen Feiertag im 1. Buch der Könige, Kapitel 8, die Verse 22-24 und 26-28:

Und Salomo trat vor den Altar des Herrn angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel und sprach: Herr, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund der Barmherzigkeit deinen Knechten,
die vor dir wandeln von ganzem Herzen; der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet; und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, dass du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen ? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe ? Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, Herr, mein Gott, damit du hörest das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.

Liebe Gemeinde,

Gott handelt auch noch heute noch genau so, wie Er zu Zeiten Salomos gehandelt hat.
Woran erkennen wir Gottes Handeln in dieser Welt, oder noch besser, wie handelt Gott in dieser Welt ganz konkret ? Ich glaube, es sind drei Charakteristika des Handelns Gottes, die wir schon im Alten Testament erkennen können. Lassen Sie uns darüber am heutigen Tage gemeinsam nachdenken.

1. Gott redet

Schön und gut, Gott redet also. Aber wieso hören ihn so viele Menschen einfach nicht mehr. Ganz einfach, weil wir nicht mehr hinhören. In der heutigen Zeit werden wir mit so vielen Informationen überschüttet, dass wir Gott und Sein Reden in dieser Welt ganz einfach überhören.

Tageszeitungen, Radio, Fernsehen und Internet nehmen uns gewissermaßen 24 Stunden am Tage gefangen, sodass wir gar keine Zeit der Stille mehr haben, in welcher wir das Reden Gottes vernehmen könnten. Wie können wir das ändern ? Eine Wortschöpfung macht immer mehr die Runde, das Wort „Entschleunigung“. Ich wage jedoch zu bezweifeln, dass uns mehr Zeit für unseren Herrn bleibt, wenn wir unser Leben entschleunigen. Erfahrungsgemäß bleiben viele Sachen einfach unerledigt liegen, die wir dann trotzdem irgendwann erledigen müssen.

Entschleunigung scheint also nicht die Lösung zu sein. Ich denke, das Wort eines bekannten Evangelisten hilft uns hier besser weiter: „Mensch, nimm dich nicht so wichtig, nimm dir Zeit für Gott.“ Wenn wir uns wieder eingestehen, dass wir nicht der Mittelpunkt der Welt sind, dann erkennen wir auch, dass wir wirklich nicht so wichtig sind, wie wir es vielleicht manches Mal meinen. Und wenn wir dies eingesehen haben, dann können wir uns auch wieder Zeit für jemanden nehmen, der wirklich wichtig ist, nämlich für Gott.

Wenn wir im Gebet zu Ihm reden, dann, liebe Gemeinde, werden wir auch Seine Stimme, die uns ganz direkt anspricht, wieder vernehmen dürfen. Wenn wir uns wieder Zeit für Gott nehmen, dann haben wir auch wieder Zeit in Seinem Wort zu lesen. Und wenn wir dies tun, dann erkennen wir
auch Sein Reden damals und heute.

2. Gottes Verheißungen

Wenn wir über Gottes Eingreifen in dieser Welt nachdenken, dann kommen wir ganz schnell an den Punkt, wo es um die Erfüllung unserer eigenen Wünsche und Anliegen geht. Immer dann, wenn Gott unsere Wünsche nicht nach unserem Gutdünken erfüllt, dann wirkt Gott eben nicht mehr in
dieser Welt. Und dann wird Er eben wieder an die Seite geschoben.

Aber Achtung liebe Gemeinde, dies ist die typische Form des Irrglaubens, welcher tausende von Menschen immer noch unterliegen. Es gibt keinen „Wünsch dir was“ Gott. Wer allein an diesen Gott glaubt, wird immer wieder enttäuscht werden, weil es diesen Gott eben nicht gibt.

Aber WAS genau bewirkt denn der lebendige Gott heute noch, wenn schon nicht unsere Wunscherfüllung ? Auch dies erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Dort finden wir die Worte „was du ihm zugesagt hast“. Gott erfüllt also nicht all unsere Wünsche, aber Er erfüllt
garantiert all Seine Verheißungen, wie es uns schon Dietrich Bonhoeffer gelehrt hat.

Wir sind schon ein recht merkwürdiges Geschlecht auf Erden. Da können wir in der Bibel hunderte von Verheißungen entdecken und auch gleichzeitig deren Erfüllung nachlesen. Und wir zweifeln immer noch an der Erfüllung der Verheißungen, die uns immer noch bevorstehen.

Ich glaube wir alle täten gut daran, wenn wir uns weniger auf menschliche Prognosen verlassen würden, sondern wenn wir alle unser Verhalten wieder an den noch nicht erfüllten Verheißungen Gottes ausrichten würden. Wir könnten wieder friedvoll miteinander umgehen, es gäbe keinen Neid mehr auf Erden und alle Menschen könnten in einer Gemeinschaft miteinander leben, die allein auf die Liebe, Gnade und Barrmherzigkeit unseres Herrn ausgerichtet ist.

Ein frommes Wunschdenken ? Sicherlich, liebe Gemeinde, doch was wäre eigentlich, wenn ein jeder beginnen würde, nach den endgültigen Verheißungen unseres Herrn zu leben ?

3. Mit Deiner Hand

Wir haben uns darüber unterhalten WIE wir Gottes Reden hören können und WAS Gott auch heute noch in Seiner Welt bewirkt. Nun sollten wir uns noch kurz darüber unterhalten, WIE Gott denn nun HANDELT. Auch darüber lässt uns der heutige Predigttext nicht im Ungewissen. „Mit deiner Hand
hast du es erfüllt“, so lesen wir es in dem Buch der Könige. Und das macht Er auch heute noch.

Gott hat den Planeten Erde ja nicht 1x aufgezogen und lässt ihn dann unkontrolliert bis zu seinem Ende laufen. Nein, liebe Gemeinde, der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat greift auch heute noch in der Welten Lauf ein. Daher haben wir auch keinen Kirchengott, den wir sonntags von 10.00 bis 11.00 Uhr besuchen und der sich dann gefälligst auf den nächsten Sonntag zu freuen hat, wenn wir wieder vor Ihm erscheinen. Nein, der Gott, der real existiert, ist ein Gott aller Tage, der auch heute noch in der Lage ist, mit Seiner Hand alles zu erfüllen, was Er verheißen hat.

Ich glaube, an dieser Stelle ist auch einmal neben Dankbarkeit und Demut, Respekt vor diesem großen Gott angesagt. Wenn wir uns diesem Gott wieder respektvoll, dankbar und voller Vertrauen nähern, dann dürfen wir sicherlich auch wieder Zeugen Seines Eingreifens in dieser Welt werden. Dieses letztendliche Vertrauen allein darauf, dass ER alles richten wird, fällt uns Menschen manchmal natürlich schon ein wenig schwer. Wie gut, das wir unseren Herrn immer wieder im Gebet darum bitten dürfen, dass Er unsere Zweifel beiseite schiebt und uns das schenkt, was wir alle so bitter nötig haben, nämlich ein unerschütterliches Gottvertrauen.

Ein derart unerschütterliches Gottvertrauen hatte sicherlich auch Paul Gerhardt. Sehr schön drückt er dies in dem ersten Vers seines Liedes: „Befiehl du deine Wege…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Der Herr schenke Dir ein Herz, dass SEIN Reden hören darf
Der Herr lasse Dich SEIN Wirken in dieser Welt erkennen
Der Herr lasse Dich SEINE Gegenwart immer wieder spüren und erleben

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Feiertag und eine schöne restliche Woche unter dem Segen des Herrn, der auch heute noch in dieser Welt allgegenwärtig ist.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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