ePredigt vom 02.05.2004 (1.Johannes 5, 1-4)

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 3.Sonntag nach Ostern, am Sonntag Jubilate.
Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im 1. Johannesbrief,
im 5.Kapitel, in den Versen 1 – 4:²

„Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren; und wer da liebt den, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihn geboren ist. Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer, denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Diese wunderschönen Tage zum Beginn des Mai laden ein zur Freude, zum Dank und zur Anbetung Gottes. Sie führen uns zum Herrn, der alles geschaffen hat und neues Leben verheißt.

Aber auch in Zeiten des Blühens und im Aufbruch des Lebens kann in dieser Zeit Hoffnung in Chaos und Flammen verglühen. Wir haben es erlebt und durchlitten. In dieser Zeit erleben es auch Menschen in der Welt. Auch unter uns leiden Seelen im Zerbrechen der Hoffnung für Körper und Geist.

Und dennoch geschieht etwas Unbegreifliches.
Unter uns Menschen, für die wir keine menschliche Hoffnung sehen, sprechen Einige von einer Kraft, die sie trägt und hält. Sie bezeugen eine Hoffnung aus ihrem Glauben an den lebendigen Gott. Dieser Glaube wurzelt in der Tiefe, wie ein Anker, der das Lebensschiff in den Stürmen der Welt hält.

Und wir fragen uns: Wie steht es mit unserem Glauben?

Vieles lässt sich mit dem Wort Glauben ausdrücken.
Er bleibt keine verborgene Herzenssache. Glaube wird sichtbar in dem, wie wir leben.

Wem Glaube nur bedeutet, dass er etwas für möglich oder wahrscheinlich hält, wird versuchen, diese Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit in sein Leben mit einzuprogammieren. Aber es bleibt etwas Unwägbares, dass ihn hindert, klare Entscheidungen zu treffen. An dieser Zerrissenheit wird er scheitern.

Wer Glaube als ein Vertrauen sieht, wird damit leben.
Er wird einer Idee oder einem Geschehen vertrauen und dafür wirken. Oder er wird einer Person vertrauen und mit ihr Gemeinschaft suchen. Vertrauen ist immer ein Risiko. Man kann enttäuscht und missbraucht werden. Wer häufiger Enttäuschung und Missbrauch des Vertrauens erlebt, traut häufig nur noch sich selbst. Und er wird an solcher Selbstbezogenheit scheitern.

Doch es gibt einen Glauben, der ganz anders ist.
Er ist eine Gewissheit und Erkenntnis, die uns nur Gott schenken kann. Diese Gewissheit und Erkenntnis gibt unserem Leben Vertrauen auf unsere Rettung durch Jesus Christus.

Das ist ein Glaube, der trägt und hält!

Wir empfangen ihn, wenn wir Jesus als Messias, als Heiland und Herrn annehmen. Dann geschieht bei uns eine Veränderung:
– Wir werden zu Menschen, die neues Leben empfangen, neugeboren aus Gottes Geist.
– Wir werden Teil einer neuen Schöpfung, die mit Jesu Auferstehung in diese Welt gekommen ist.
– Wir werden Gottes Kinder, die den Mitmenschen mit Gottes Liebe begegnen können.

Denn Jesus ist auch für unsere Mitmenschen gestorben und auferstanden, damit auch sie Gottes Kinder werden können.

Diese Botschaft können wir ihnen in unserer Zuwendung mit Gottes Liebe bringen. Darin handeln wir nach Gottes Wort und Gebot. Dabei werden wir merken, dass auch Gottes Gebote sich gewandelt haben. Sie bleiben Gottes verbindlicher Wille für uns, aber wir erleben sie nicht vorrangig als Spiegel für unser Scheitern und Versagen. Wir dürfen sie als Geländer sehen, für unser Leben aus der geschenkten Gottesliebe.

Was uns von der Welt her bedrängt oder von Gott wegziehen will, hat seine Macht über unser Leben verloren, ist von Jesus besiegt.

Unser Predigtwort aus dem 1. Johannesbrief bekennt:
Unser Glaube an den rettenden Christus „ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“. Das ist der Sieg, der von Ostern, von der Auferstehung Jesu her zu uns gekommen ist.

Diese Wirklichkeit ist unter uns, ist in der Gemeinde da.

Entscheidend ist, dass wir – jeder von uns – von dieser Wirklichkeit erfasst werden. Sie kann und will uns zufließen. Dazu müssen wir Jesus immer neu begegnen und SEINE rettende Liebe annehmen. Das geschieht im Hören auf Gottes Wort und im Gebet.

Dass Gott uns durch Jesus neues Leben gibt, lässt ER uns heute im Wochenspruch (2.Kor. 5,17) zusprechen:
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden:“

Wir können es für uns erbitten und Jesus auf diese Verheißung ansprechen:
Herr, wir bitten DICH! Lass diese Zusage Wirklichkeit bei mir werden und schenke mir den Glauben an DEINE liebende und rettende Erlösung!

Wir können auch unsere Zweifel und Mutlosigkeit zu IHM bringen und bitten, wie in den Psalmen oder wie im Gebet aus dem Marcusevangelium:
„Herr, ich glaube, hilf meinen Unglauben“ (Mc 9,24).

Gottes Segen kann es uns schenken, dass wir Ihm zur Ehre aus frohen Herzen singen und bekennen:
„Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält;
woanders als in Jesu Wunden. Da lag er vor der Zeit der Welt,
der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.

Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt;
Es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu den Sündern neigt,
dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht.“
Evangelisches Gesangbuch 354, 1+2

Es grüßt und wünscht allen eine gesegnete Osterzeit
Ihr Pfr.i.R. Steinführer