Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Abend, dem Gründonnerstag, also dem Abend an welchem wir an das Abendmahl erinnern, welches Jesus mit seinen Jüngern zusammen einnahm bevor er den Kreuzestod für uns alle starb. Allen, die an dem Heiligen Abendmahl öfters teilnehmen, wird unser heutiger Predigttext sehr geläufig sein.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Tag im 1. Korintherbrief, Kapitel 11, die Verse 23-26. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe:
Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde,

wenn wir zusammen zum Abendmahlstisch gehen, dann gedenken wir sicherlich auch an den Kreuzestod unseres Herrn. Für uns alle ist das Abendmahl aber auch ein Hoffnungsmahl. Worauf wir hoffen und worauf wir uns verlassen können darüber lassen Sie uns heute Abend ein wenig näher nachdenken.

1. Es ist schon was da

Wir feiern das Heilige Abendmahl ja nicht in einem luftleeren Raum, sondern in einem bestimmten Kontext, den uns Jesus in unserem Predigttext vorgegeben hat. ER hat schon etwas für uns getan, dessen wir heute gedenken.

Der Herr Jesus hat für all unsere Sünden, die vergangenen die gegenwärtigen und für alle zukünftigen Sünden bezahlt. Insofern geht von dem Abendmahl eine stete Lebendigkeit aus, die uns auch heute noch an die immerwährende Aktualität erinnern soll.

Das Abendmahl, welches Jesus mit seinen Jüngern feierte, war also keine nur schöne biblische Geschichte, sondern schon der Hinweis darauf, dass etwas geschieht, was über alle Zeitgrenzen hinweg wirkt und niemals seine Gültigkeit verliert.

Und genau darauf dürfen wir uns verlassen und darauf dürfen wir unsere ganze Zukunft setzen, nämlich darauf, dass der Herr Jesus für uns bereits alles getan hat, was getan werden musste, damit auch wir wieder die Gemeinschaft mit Gott haben können.

Es ist schon etwas da, liebe Gemeinde, was uns als ständiger Hoffnungsträger daran erinnern will, dass wir wieder Gottes geliebte Kinder sind. Eigentlich brauchen wir doch gar kein Abendmahl, das höre ich hin und wieder mal. OK, natürlich ist dies nicht zwingend notwendig, um in den Himmel zu kommen, aber wie schnell vergessen wir Menschen das, was unser Herr für uns getan hat. Wie schnell kommen wir in den alten Trott zurück.

Und mir hilft es dann immer wieder bei der Teilnahme am Heiligen Abendmahl daran erinnert zu werden, dass schon etwas da ist.

2. Die Lebenskandidaten

Wenn wir bei dem Heiligen Abendamhl an das denken, was der Herr für uns getan hat und wenn wir seinen Leib und sein Blut zu uns nehmen, dann erinnern wir uns immer wieder daran, dass wir IHN ganz persönlich in uns aufnehmen. Ich möchte jetzt keinen Streit um das Abendmahlsverständnis lostreten. Lassen wir das einfach mal so stehen.

Jesus hat dem Tode die Macht genommen. Deshalb sind wir als seine jünger auch keine Todeskandidaten mehr sondern Lebenskandidaten. Lassen Sie uns hier einen Moment lang verweilen.
Wir müssen uns einmal vor Augen führen, dass alle Menschen, die den Herrn Jesus nicht als ihren Erlöser angenommen haben, nach wie vor Todeskandidaten sind. Leider ist es so, und das kommt nicht von mir, dass mit dem Tode dieser Menschen alles aus ist.

So, und jetzt kommen wir dran. Für uns ist mit dem Tode eben nicht alles aus. Ich gehe so weit, dass ich sage, für uns als Christen fängt das Leben erst nach dem Tode so richtig an. Wenn wir am Abendmahlstisch Brot und Wein zu uns nehmen, so ist dies ein kleiner Vorgeschmack darauf, dass wir dereinst ganz bei unserem Herrn sein werden.

Was wir jetzt nur erahnen und vielleicht mental spüren können, das werden wir dann sehen und erleben können. Wir werden IHN in seiner Herrlichkeit sehen und wir werden mit IHM zusammen eine dauerhafte Gemeinschaft bilden.

Wenn wir am Abendmahl teilnehmen, dann erkennen wir, dass wir noch nicht am Ziel sind, aber wir sind auf dem richtigen Wege und wir dürfen schon hier auf Erden das Ziel schmecken in Form von Brot und Wein.

Abendmahl, muss das sein? Ich antworte noch einmal auf diese Frage damit, dass wir Menschen nun einmal ein wenig träge sind. Wie schnell verlieren wir ein Ziel aus den Augen, wenn wir nicht ständig daran erinnert werden. Nehmen wir doch einmal einen Athleten. Wenn sein Trainer ihn nicht richtig trainiert und ihm nicht immer wieder das große Ziel vor Augen stellt, dann werden seine Bemühungen alsbald nachlassen und irgendwann wird er sein Training einstellen.

Diese latente Gefahr besteht auch bei uns. Und darum hat der Herr Jesus angeordnet (ja ich nehme bewusst dieses Wort), dass wir das Abendmahl feiern sollen. Und zwar so lange bis er wiederkommt. Es soll uns ständig an den rechten Weg erinnern und uns auch helfen wieder auf den rechten Weg zu kommen, wenn wir ihn zu verlassen drohen.

3. Himmel und Erde treffen aufeinander

Liebe Gemeinde, wir feiern das Heilige Abendmahl nicht nur für uns allein als Gemeinde. Wir feiern es immer mit allen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Die Abendmahlsliturgie sagt uns ganz deutlich, dass sich bei der Zeremonie des Abendmahles Himmel und Erde einander berühren.

Es ist also so, dass all unsere Lieben, die uns im Glauben vorausgegangen sind mit uns und unserem Herrn zusammen immer wieder das Heilige Abendmahl zusammen feiern. Was ersehen wir daraus? Nun zuerst einmal, dass für uns heute und in alle Ewigkeit gesorgt ist. Wir müssen uns keine Sorgen mehr über uns und unser Wohlergehen machen.
Derjenige, der uns das ewige Leben schenkt, der kann ganz gewiss auch für unser irdisches Leben sorgen.

Das heißt natürlich nicht, dass ich träge herumsitze und auf den Himmel warten soll. Nein, als Christen sollen wir das tun, wozu uns Gott auf die Welt gesandt hat, aber nicht unter ständigen Sorgen und Nöten, was uns denn alles passieren könnte. Einfach auf den Herrn vertrauen und das tun, was er von uns erwartet, das ist unsere Aufgabe hier auf Erden.

Aber ab und wann kommen sie dann doch durch, die Nöte und Sorgen. Vor allem die Angst vor dem eigenen Tode will uns so manchmal gar nicht recht zur Ruhe kommen lassen. Haben Sie schon einmal in Ihrem Bekanntenkreis oder mit Ihren Verwandten ein ernsthaftes Gespräch über den Tod geführt. Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch, ich freue mich für Sie mit. In aller Regel kommt es nämlich ganz schnell zu einem Themawechsel, da sich keiner gern mit diesem Thema beschäftigen möchte.

Wenn wir jetzt wissen, dass wir nach unserem irdischen Tode lediglich auf der anderen Seite des Abendmahltisches an selbigem teilnehmen, dann sollten wir doch in der Lage sein, ein wenig entspannter mit diesem Thema umzugehen.

Abendmahl, muss das sein frage ich ein drittes Mal. Ich glaube, Jesus möchte uns über all unsere Nöte und Probleme hindurch helfen. Und da ist es schon eine immense Hilfe, wenn wir bei der Teilnahme am Abendmahl daran erinnert werden, dass wir dies mit allen zusammen feiern, die den Herrn Jesus als ihren Erlöser angenommen haben, hier auf Erden und im Himmel. Daher wird das Abendmahl auch gern als Fenster zur Ewigkeit bezeichnet. Manchmal können wir einen kleinen Luftzug des geöffneten Fensters spüren und wahrnehmen.

Das alles hält der Herr Jesus bereit, wenn wir an dem Heiligen Abendmahl teilnehmen. Lassen wir doch diese Möglichkeit nicht ungenutzt an uns vorübergehen. Übrigens: Es bedarf keiner ordinierten Pfarrer und keiner schmucken und kunstvoll eingerichteten Kirche. Wir erinnern uns „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

Warum also nicht das Abendmahl in der Familie, im Hauskreis oder im Freundeskreis feiern?!

Wichtig ist doch nur die richtige innere Haltung mit der wir an den Tisch des Herrn treten. Die richtige innere Haltung beschreibt der Liederdichter Martin Rinckart sehr schön in dem 1. Vers des Liedes „Nun danket alle Gott…“ (EG 321), der da lautet, wie folgt:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Die seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten und besinnlichen Abend.
Bleiben Sie bis zum morgigen Tage wohl behütet.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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