ePredigt vom 01.12.2019 (Römer 13, 8-12)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag im Advent. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 13. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 8-12. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2. Mose 20, 13-17): „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3. Mose 19,18):“Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Liebe Gemeinde,

wenn wir auf das Kind in der Krippe schauen, dann meinen wir ja immer, dass wir es sind, die auf dem Weg zu Gott sind. Aber es ist genau umgekehrt. Gott hat uns zuerst geliebt. Der Mensch hat die Sache mit dem Paradies, welches ihm Gott gegeben hatte,  ja genial in den Sand gesetzt. Fortan exstierte eine Kluft zwischen Gott und den Menschen, die kein Mensch überwinden konnte.

Also musste Gott einen neuen Weg suchen, wie er uns wieder zu seinen geliebten Kindern machen kann. Das ging nur, indem er als vollkommen sündloser Mensch für all unsere Sünden bezahlt. Dazu musste er er aber erst einmal als Mensch auf die Welt kommen. Also Gott kommt zuerst zu uns und nicht wir zu ihm.

Mit dem Kommen allein ist es aber nicht getan. Gott erwartet von uns auch etwas, was ich einmal als aktiven Advent bezeichnen möchte. Schauen wir uns doch einmal an, was Gott von uns erwartet.

1. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Das ist mal eine Herausforderung. Wer ist denn mein Nächster frage ich mich dann sofort. Stop, diese Frage führt schon in die Passivität. Ist es der Hartz 4 Empfänger ? Dem wird doch schon vom Staat geholfen. Ist es die alte kranke Dame von nebenan? Für die ist doch ein Platz im Pflegeheim vorhanden.

Nein, wir müssen anders fragen. Wir müssen fragen: Wem kann ich der Nächste sein. Nur so schärfen wir unsere Sinne und erkennen, wo unsere Hilfe benötigt wird und wir gebraucht werden. Wenn wir so fragen, dann kommen auch keine Ausreden mehr auf den Tisch.

Denken wir an den barmherzigen Samariter. Der fand einen Verletzten auf seiner Reise. Obwohl er sicherlich auch unter Zeitdruck stand, unterbrach er alles, was ihm wichtig war und kümmerte sich zunächst um den Verletzten.

So sollen wir es auch machen. Seien wir bereit, diese Frage zu stellen. Und seien wir auch bereit, uns von Gott unterbrechen zu lassen.

2. Aufstehen

Wir sollen aufstehen von unserem Schlaf, so haben wir es soeben gehört. Das bedeutet, dass wir aktiv werden sollen. Wir sollen die Gebote Gottes mit Leben füllen.

Paulus führt ja einige Gebote auf. Drehen wir diese doch einmal um ins Positive.

„Du sollst nicht ehebrechen“ können wir mit Leben füllen, indem wir unseren Ehepartnern stets treu bleiben und sie auf allen ihren Wegen unterstützen. Da darf man sich ruhig einmal für das tolle Essen bedanken, was man uns gekocht hat. Und es ist auch nicht verboten, unsere Ehepartner mit kleinen Geschenken zu überraschen.

„Du sollst nicht töten“ können wir zum Beispiel mit Leben füllen, indem wir uns für den Erhalt des Lebens einsetzen. Wussten Sie, dass die dritthäufigste Todesursache in Schweden die Abtreibung ist. Da heißt es aufstehen und aktiv werden.

„Du sollst nicht stehlen“. Anstelle von Stehlen kann man auch das Wort Nehmen setzen. Wir sollen nicht immer nur nehmen und noch mehr nehmen. Wir sollen wieder zu Gebern werden, die fröhlichen Herzens von ihrem zu viel an die abgeben, die von allem zu wenig haben.

„Du sollst nicht begehren“. Das sagt sich so einfach. Ich muss doch nur ins Fernsehen schauen und schon setzt mir die Werbung vor, was mir alles fehlt. Und wenn sie das lange genug macht, dann wächst in mir die Begierde nach dem, was auf mich einprasselt. Und wehe, mein Nachbar hat das schon und ich noch nicht. Und genau hier sollen wir den Riegel vorschieben.

Das geht ganz einfach mit einer einfachen Frage an uns selbst: Brauche ich das wirklich ? Denken wir mal wieder darüber nach, bevor wir etwas begehren, nur weil man uns eingetrichtert hat, dass wir das unbedingt brauchen.

3. Waffen anlegen

Bevor unser Herr sein Erlösungswerk an uns vollendet hat, haben wir alle in der Finsternis gelebt. Gott hat uns aus dieser Finsternis heraus den Weg zu seinem Licht gezeigt.

Und das bedeutet zweierlei. Als erstes sollen wir die Werke der Finsternis ablegen. Wir sollen uns also von allem trennen, was uns von Gott wieder entfernen könnte. Das muss natürlich ein jeder für sich selber eruieren. Da wir alle keine Heiligen sind, kommen bestimmt etliche Punkte zusammen, die wir mit Jesus besprechen sollten und ihn um seinen Beistand bitten sollen, damit wir davon loskommen.

Und dann sollen wir die Waffen des Lichts anlegen. Was bedeutet denn das jetzt schon wieder? Nun, wir sollen Leuchten sein für unsere Mitmenschen.

In der Dunkelheit der Welt fällt das Licht auf. Wie sich Schiffe nach dem Leuchtfeuer der Leuchttürme richten, so richten sich die Augen der Mitmenschen, die noch in der Finsternis leben auf unsere Waffen des Lichts.

Wenn in der Finsternis irgendwo ein Licht leuchtet, dann schaue ich doch automatisch dorthin. In aller Regel gehe ich auch und schaue nach diesem Licht. Und hier beginnt auch ein Stück weit Verantwortung für uns Christen.

Wir sollen leuchten mit unserem Licht und die Menschen neugierig machen auf dieses Licht und den Ursprung dieses Lichtes. Wir sollen unsere Mitmenschen nicht belehren oder zutexten mit Bibelzitaten und Moralpredigten jedweder Art.

Wir sollen nur zeigen, dass es einen Weg gibt aus der Finsternis der Welt heraus in das Licht der Ewigkeit. Alles andere macht schon unser Herr.

Liebe Gemeinde, wenn wir dies tun, dann sind wir in der Tat „Aktive Adventslichter“.

Lassen Sie uns unseren Herrn zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes mit dem ersten Vers des Liedes: „Macht hoch die Tür…“ (EG 1) des Liederdichters Georg Weisel anbeten, der da lautet, wie folgt:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten ersten Advent und einen besinnlichen Start in die Adventszeit dieses Jahres.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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