ePredigt vom 01.03.2015 (Johannes 3, 14-21)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Reminiszere. „Gedenke Herr, an deine Barmherzigkeit“ unter dieser Überschrift steht der heutige Sonntag. Wie der Herr unserer gedacht hat, damit befasst sich auch der heutige Predigttext, den wir im 3. Kapitel des Johannesevangeliums finden und zwar in den Versen 14-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Liebe Gemeinde,

ganz selten verzahnen sich das Alte und das Neue Testament in der Perikopenordnung unserer Predigttexte so deutlich, wie dies heute der Fall ist. Wir wissen, dass wir die Bibel nur als eine Einheit lesen und auslegen können. Sich nur auf das Neue Testament zu fokussieren wäre genauso falsch, wie unser Hauptaugenmerk auf das Alte Testament zu legen. Beide gehören untrennbar zusammen und beide stehen unter der Überschrift der Barmherzigkeit Gottes und wie er seiner Menschen in Gnade gedenkt. Lassen Sie uns den heutigen Predigttext einmal aus dieser Perspektive betrachten.

1. Die erhöhte Schlange

Kurz nachdem Gott die Israeliten aus Ägypten geführt hatte fing auch schon das große Murren an. Das Essen war zu eintönig, das Wasser zu wenig, der Fußmarsch zu lang und so weiter und so weiter. Kommt uns dies ein wenig bekannt vor? Mir schon. Schon oftmals habe ich ähnlich reagiert. Gott hatte machtvoll in mein Leben eingegriffen und alles wieder geordnet und nach einiger Zeit der Routine passte mir das eine oder andere schon wieder nicht so recht in den Kram.

In der Wüste strafte Gott die Israeliten dadurch, dass gefährliche feurige Schlangen das Volk bissen, welches dadurch zu Tode kam. Aber genau in dem Moment, wo das Volk seine Missetaten ehrlichen Herzens bereute, genau in diesem Moment setzte die Gnadenhandlung Gottes ein.
Genau die, die gerade eben noch gemurrt und geklagt hatten, hatten nunmehr die Möglichkeit durch einen einfachen Blick auf die erhöhte Schlange am Leben zu bleiben.

Oftmals wird der Gott des Alten Testamentes ja als der uneinsichtige gnadenlose Rachegott bezeichnet. Dies, liebe Gemeinde ist sicherlich nicht der Fall. Wir haben nicht den einen Gott im alten Testament und den anderen Gott im Neuen Testament.

Gnade konnten schon zu Zeiten des Alten Testamentes alle Menschen erfahren, die Buße taten und sich wieder mit ganzem Herzen Gott zuwandten. Allerdings war dies stets eine zeitliche Gnade, die mit dem natürlichen Ableben ihr unweigerliches Ende hatte.

2. Der erhöhte Christus

Wie schafft es Gott aber eine Möglichkeit zu schaffen dass wir von der zeitlichen Gnade zur ewigen Gnade kommen können? Zunächst einmal müssen wir wissen, dass wir durch die Erbsünde alle vor Gott Sünder sind.

Das ist manchmal ein wenig schwer zu verstehen. Versuchen wir uns dies bildlich darzustellen. Nehmen wir einfach einmal an Adam und Eva wären Piloten gewesen und wir alle säßen als Passagiere in dem Flugzeug, dass von diesen beiden geflogen wird. Jetzt machen die beiden einen katastrophalen Flugfehler der damit endet, dass dieses Flugzeug abstürzt und alle Insassen auf dem Weg in die Hölle sind. Wir, die wir vielleicht in Reihe 34 A und B gesessen haben, haben gar nichts mit dem Flugfehler zu tun und trotzdem haben uns diese beiden Piloten in den Abgrund gestürzt.

Wenn wir die Erbsünde so verstehen, dann können wir begreifen, dass wir vor Gott tot sind. Der große Rettungsplan Gottes musste also dafür sorgen, dass der weitere Absturz der Maschine abgefangen wird und dass wir die Möglichkeit haben, die abstürzende Maschine zu verlassen und wieder zu Gott zurückzukehren.

Dies tat Gott, indem er Jesus den Kreuzestod sterben ließ, also den Tod, den wir eigentlich verdient hätten. Alle, die wir jetzt in diesem abstürzenden Flugzeug sitzen, können in höchster Not den Herrn anrufen und er wird dafür sorgen, dass wir das abstürzende Flugzeug sofort verlassen können und zu ihm zurückkehren dürfen.

Das setzt natürlich voraus, dass wir Buße tun und unsere Sünden bereuen, also dass wir erkennen, dass wir arme Sünder sind. Und zugleich müssen wir den innigen Wunsch der Umkehr in uns tragen. Nur dann wird uns Gott an seinem großen Rettungsplan teilhaben lassen.

Liebe Gemeinde, die Bibel ist die Wahrheit. Und die Wahrheit ist nicht immer rosarot oder so, wie wir sie gerne hätten. In diesem Falle müssen wir leider auch sagen, dass alle Passagiere, die den Rettungsplan Gottes nicht in Anspruch nehmen auf immer und ewig in dieser abstürzenden Maschine gefangen bleiben und den ewigen Tod sterben werden.

3. Die Planerfüllung

Wir haben soeben gehört, dass wir durch die Annahme des Angebotes unseres Herrn, wieder die Heimreise antreten dürfen. Was bedeutet, dies denn nun ganz konkret für unser Leben? Von einer Sekunde auf die andere hat sich unser ganzes Leben verändert. Auch wenn wir die Veränderung erst so nach und nach wirklich spüren, ab dem Moment unserer Bekehrung haben wir ein neues Leben von Gott erhalten.

Diese Gnade, die uns Gott geschenkt hat, ist an keine zeitliche Beschränkung gebunden. Wir leben hier auf Erden fortan ein Leben, wie es Gott sich für uns vorgestellt hat. Natürlich auch ein Leben mit allen Höhen und Tiefen, aber ein Leben in dem Gott als der Regisseur in unserem Leben die Fäden in der Hand hält.

Ist das nicht wunderbar? Alle unsere Nöte und Probleme dürfen und können und sollen wir immer wieder unserem Herrn vorlegen. Er hat versprochen sich fortan darum zu kümmern. Das fällt uns anfangs natürlich schwer. Ich habe auch erst einmal die kleinen Probleme aus der Hand gegeben und mit den großen so lange gewartet bis ich zum Halse in den großen Problemen steckte. Aber auch diesen Hilfeschrei hat der Herr erhört.

Das allerschönste kommt aber noch. „Damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Wir sind also nicht nur für unsere Zeit hier auf Erden erlöste Gotteskinder, denen ihre Sünden nicht mehr angerechnet werden. Mit unserem „Ja“ zu der großen Rettungstat unseres Herrn sind wir schon jetzt Himmelskinder. In dem Moment, indem wir unseren letzten Atemzug auf Erden vollendet haben, in genau dem gleichen Moment machen wir unseren ersten Atemzug in Gottes neuer und ewiger Welt unter der ständigen Gegenwart unseres liebenden Herrn.

Nun gibt es aber noch Menschen, die sich die Sache nicht so einfach machen wollen. Diese sprechen dann immer noch von dem großen Gericht, in welches wir trotzdem kommen und dass dann erst entscheiden wird, ob wir überhaupt himmelstauglich sind. Wer an den Herrn glaubt, der wird nicht gerichtet. Punkt. Aus. Ende. Diesen Worten unseres Herrn kann ich nichts mehr hinzufügen außer vielleicht „Gott sei Dank, dass es so ist.“

Alles andere wäre schlichtweg phänomenaler Blödsinn. Können Sie sich einen Gott vorstellen, der den Menschen ihre Rettung anbietet und diese dann später aus irgendeinem Grunde wieder widerruft so nach dem Motto „War nur Gnade auf Probe, aber leider nicht bestanden“? Ich kann mir dies nicht vorstellen und Gotts sei Dank muss ich dies auch nicht, da es diesen Gott eben nicht gibt. Verlassen wir uns ganz allein auf das, was der Herr sagt. Damit fahren wir in der Zeit und in der Ewigkeit bestimmt am besten.

Den allmächtigen, großen Gott loben das ist es, was uns noch übrig bleibt, da er ja schon alles für uns getan hat. Wir können dies gemeinsam tun, indem wir in den ersten Vers des Liedes „Nun danket alle Gott…“ (EG 321) von Martin Rinckart einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.

Der Herr, der Dich erlöst hat, der begleite Dich Dein ganzen Leben lang Der Herr, der Dich gerufen hat, der zeige Dir Deinen Weg in diesem Leben Der Herr, der Dich gefunden hat, umgebe Dich alle Tage bis in alle Ewigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen schönen Start die neue Vorfrühlingswoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber