Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr 2015. Möge Gott uns auch in diesem Jahre auf allen unseren Wegen begleiten, behüten und beschützen. Den Predigttext für den heutigen Neujahrstag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 4. Kapitel, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1-2): “ Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. “ Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Liebe Gemeinde,

es erstaunt mich immer wieder, wie präzise und detailgetreu die Propheten des Alten Testamentes die Zukunft vorhergesagt haben. Wenn uns heute jemand die Lottozahlen vom nächsten Samstag sagen könnte, wir würden ihn vergöttern. Wenn uns aber jemand den Weg zur ewigen Errettung und damit den Weg in den Himmel aufzeigt, dann lässt dies viele Menschen einfach kalt.

Wenn wir uns den Predigttext einmal etwas näher betrachten dann fällt uns auf, dass in diesem Text das ganz konkrete Wirken Jesu aufgezeigt wird. Da unser Herr ja lebt, können wir davon ausgehen, dass er heute noch genau so wirkt, wie es der Prophet Jesaja lange vor der Geburt Jesu bereits beschrieben habt. Im Wesentlichen können wir dem heutigen Predigttext „3 Jesuswirkungen“ entnehmen. Lassen Sie uns diese ein wenig näher betrachten:

1. Gefangene werden frei

„Jesus macht frei“, das stand auf den Armbändern eines der letzten Kirchentage in unserem Lande. Das setzt natürlich voraus, dass man unfrei, also ein Gefangener ist. Ich gehe mal davon aus, dass keiner von uns nach dem Gottesdienst seinen Weg in die Haftanstalt antreten muss.
Das ist hier sicherlich auch so nicht gemeint.

Aber sind wir nicht alle irgendwann einmal Gefangene gewesen oder sind es derzeit noch? Für die die es gerade sind, für die gilt diese Botschaft ganz besonders „Jesus macht frei“. Wovon macht Jesus frei?
Von allem, was uns gefangen hält.

Alles, was uns gefangen hält, hält uns nämlich von Jesus fern. Bevor wir Jesus unser Leben übergeben können, muss er uns von allem befreien, was uns auf dem Wege zu ihm hinderlich sein kann. Daher ist es auch nicht so, dass die Glaubensentscheidung ganz allein von mir kommt. Lange bevor ich meine Entscheidung pro Jesus getroffen habe, hat er mir nämlich schon den Weg bereitet. Er hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass ich mein Ja zu ihm sagen konnte.

Was könnte uns denn gefangen halten? Das können so banale Dinge wie unser Hobby sein. Ich habe ganz bestimmt nichts gegen Fußball. Aber muss es sein, dass die A-Jugend sonntags um 11.00 Uhr spielt. Keiner der Spieler hat je die Möglichkeit an einem Gottesdienst teilzunehmen. Neben so banalen können es auch ganz andere Dinge sein, die uns in ihren Bann ziehen. Lassen wir einmal körperliche Süchte beiseite, das ist offensichtlich, dass diese uns gefangen halten können.

Denken wir doch einmal an den gefährlichen Bereich Esoterik und Okkultismus. Wie viele Menschen sind auf diese Art und Weise dem Satan auf den Leim gegangen und kommen nun nicht mehr davon los. Wir möchten vielleicht sagen, dass uns dies nicht geschehen kann. Aber, liebe Gemeinde, häufig fängt z.B. der Einstieg in die Welt der Esoterik mit einer ganz harmlosen Engelsbotschaft an. Der Teufel ist ja nicht blöd, er weiß ganz genau, wie er auch uns Christen packen und in seinen Bann ziehen kann.

Liebe Gemeinde, es gibt aber die erlösende Botschaft, die da lautet:
Jesus macht frei. Wenn ich gefangen bin und wünsche mir von ganzem Herzen, dieses Joch loszuwerden, dann genügt ein von Herzen ehrlich gesprochenes Gebet und ich bin frei. Das Problem legt nur wieder bei uns. Wir können es nicht verstehen und begreifen und meinen daher, dass dies auch nicht geht. Aber ich kann uns allen versichern, dass es geht.
Man muss es eben nur ausprobieren.

2. Die Blinden sehen

An einigen Gleichnissen der Bibel sehen wir, dass es Jesus möglich ist, körperliche Gebrechen, wie die Blindheit zu heilen. Das kann er ganz ohne Frage auch heute noch. In unserem Predigttext hingegen ist eine viel gefährlichere Blindheit gemeint, die Blindheit, die uns den Weg zum Himmel nicht erkennen lässt und die dafür verantwortlich sein kann, dass wir die Ewigkeit in der Hölle verbringen werden.

Aber auch hier gleich ein Trost für alle „Blinden“. Jesus öffnet die inneren Augen, sodass wir ihn mit diesen inneren Augen schauen können.
Von Geburt an, liebe Gemeinde, sind wir nämlich blind. Erst wenn unser Herr unsere Augen aufgetan hat, dann erkennen wir, dass wir vorher blind waren.

Und das ist das Gefährliche in unserer Zeit. Viele Menschen haben sich so sehr an den Blindenstatus gewöhnt, dass sie gar nicht mehr davon ausgehen, dass man auch sehen kann. Viele haben sich ihr Leben blindengerecht und halbwegs komfortabel eingerichtet. Und was man nicht vermisst nach dem zieht es einen auch nicht.

Und auch hier ist unser Herr schon lange vor uns am Werk. Er legt die Ewigkeitssehnsucht in unser Herz hinein, sodass unser Herz unruhig wird und zu fragen beginnt, ob denn unser Blindenstatus alles gewesen sein soll. Wenn wir uns mit dieser existenziellen Frage direkt an unseren Herrn wenden, dann wird er unsere Augen auftun und wir werden erkennen, dass ER der Herr ist.

Bevor unsere inneren Augen aufgetan wurden, waren wir blind. Daher können wir vielleicht jetzt auch den Hohn und Spott unserer Mitmenschen nachvollziehen, wenn wir von unserem Glauben reden. Sie, deren Augen noch geschlossen sind, KÖNNEN es ja gar nicht verstehen. Helfen wir Ihnen dabei, dass auch ihnen die Augen aufgetan werden.

3. Die Zerschlagenen werden heil

Einige Bibelübersetzungen verwenden anstelle des Wortes Zerschlagene, das Wort Unterdrückte, welches wesentlich besser passt.

Unterdrückt sein, das können wir körperlich, aber auch seelisch. Denken wir nur einmal an den tyrannischen Ehemann, der seine Frau zwar nicht schlägt, aber sie stets seelisch foltert. Oder denken wir an den gewaltbereiten Männer, die ständig ihre Familie schlagen. Auch diese Opfer zählen zu den Unterdrückten, denen sich unser Herr annehmen will.

Leider ist es so, dass sich derart Unterdrückte häufig mit der Situation arrangiert haben und versuchen aus dem Unterdückten-Status auch noch etwas vermeintlich Erträgliches zu machen. Wir kommen, auch wenn wir ehrlich helfen wollen, an die Unterdrückten meist gar nicht heran. Häufig sind diese derart traumatisiert, dass eine Heilung unmöglich erscheint.

Und hier kommen wir wieder zu der 3er Wirkung unseres Herrn. Er macht den Unterdrückten die Augen auf, die inneren Augen, damit sie ihren wahren Zustand erkennen können. Wo sie blind waren, werden sie auf einmal sehend und können ihren Unterdrückten-Status auch endlich wahrnehmen. Und schließlich, wenn sie ihn darum bitten, kann unser Herr diese Menschen von ihrem Joch erlösen.

Und weil unser Herr auch heute noch überall auf diese wunderbare Weise Menschen erretten kann aus diesem Grunde möchte ich mich auch in diesem neuen Jahr unter seinen persönlichen Schutz stellen. Wollen wir dies gemeinsam tun?

Dann lassen Sie uns dies gemeinsam tun, indem wir zusammen in den 8.
Vers des Liedes von Gerhard Tersteegen „Gott ist gegenwärtig…“ (EG
165) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herr, komm in mir wohnen,
lass mein Geist auf Erden
dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen,
dich in mir verkläre,
dass ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh,
lass mich dich erblicken
und vor dir mich bücken.

Der mache Dich frei von allem, was Dich von ihm fernhalten könnte Der Herr öffne Deine inneren Augen, damit Du seine Herrlichkeit schauen kannst Der Herr begleite Dich auch in diesem Jahre auf allen Deinen Wegen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Neujahrstag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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