Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Buch Prediger, Kapitel 12, die Verse 1-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: “ Sie gefallen mir nicht“; ehe die Sonne und das Licht, Mond und Sterne finster werden und Wolken wiederkommen nach dem Regen, – zur Zeit, wenn die Hüter des Hauses zittern und die Starken sich krümmen und müßig stehen die Müllerinnen, weil es so wenige geworden sind, und wenn finster werden, die durch die Fenster sehen, und wenn die Türen an der Gasse sich schließen, dass die Stimme der Mühle leiser wird, und wenn sie sich hebt, wie wenn ein Vogel singt, und alle Töchter des Gesangs sich neigen; wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege, wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt und die Kaper aufbricht; denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse; – ehe der silberne Strick zerreißt und die goldene Schale zerbricht und der Eimer zerschellt an der Quelle und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt. Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

 

Liebe Gemeinde,

bei dem Lesen des Textes musste ich zunächst an den bekannten Schauspieler und Entertainer Blacky Fuchsberger denken. Dieser hat einmal ein Buch mit dem Titel: „Alt werden ist nichts für Feiglinge“
geschrieben. Und wenn ich mir die Zeichen des Alterns, die Salomo recht poetisch umschreibt, genauer anschaue, dann hatte Herr Fuchsberger schon Recht.

Böse Tage, Kräfteverfall und die stets nach abwärts gerichtete Lebensspirale sind etwas, woran wir alle nicht so gern denken. Und dennoch, liebe Gemeinde, gibt es einen Reiz des Alterns. Lassen Sie uns diesen doch einmal genauer betrachten:

1. Weisheit

Mit jeder Erfahrung in unserem Leben werden wir ein bisschen weiser.
Jede Niederlage lehrt uns, neue Wege zu gehen. Und wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, dann erkennt man im Rückblick ganz deutlich Gottes Spuren in seinem Leben.

Ich kann für mich nur sagen, dass Gott mich in etlichen Krisen in meinem Leben wunderbar geführt, geleitet und begleitet hat.

Als ich in diesen Krisen steckte, war dies nicht so deutlich erkennbar, da ich ja noch glaubte alles alleine bewältigen zu müssen. Heute weiß ich, dass Gott im Hintergrund die Fäden gezogen hat.

Heute weiß ich, dass ich lebe, weil Gott es so will. Oder wie es der Apostel Paulus so schön ausgedrückt hat: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“

Diese Weisheit kann aber erst dann entstehen, wenn ich mich nicht mehr selber über meine Leistung definieren muss. Solange ich in der Leistungsspirale gefangen bin, habe ich meist keine Zeit über des Gottes Wirken nachzudenken.

Heute kann ich mir die Zeit und die Muße gönnen, genau dies zu tun. Und dies ist schon ein Reiz des Alterns.

 

2. Brückenbauer

Ja, in den Hochzeiten meiner Schaffenskraft da war ich ganz auf mich und auf mein Ein- und Fortkommen fokussiert. Jeder Wettbewerbsvorteil gegenüber einem Konkurrenten brachte mich ein Stück weiter dem erstrebten Ziel entgegen.

Nur keinen Deut nachgeben. Es muss immer weitergehen, aber bitteschön immer nach oben. Das ist doch Devise nach der sehr viele Menschen leben.

Heute sehe ich die Welt ein wenig anders. Irgendwann kommen wir schließlich alle einmal an den Punkt wo es einfach kein höher, weiter und besser mehr gibt. Da kommt der Punkt, wo wir sagen müssen: Bis hierher und nicht weiter.

Das kann eine Erkrankung sein, die uns ausbremst oder aber der allseits bekannte Burnout, der dafür sorgt, dass es aus ist mit höher, weiter und besser.

Und dann muss ich erkennen, dass ich für die anderen keine Konkurrenz mehr bin.

Aber ich habe die Chance, mein Wissen und meine Erfahrungen an die jüngere Generation weiterzugeben. Ich muss nichts mehr geheim halten, was mir geholfen hat. Ich darf alles mit vollen Händen weitergeben.

Und ich kann auch meinen reichen Erfahrungsschatz des Glaubens an die Jüngeren weiterreichen. Ich kann ihnen berichten, wo ich Gott ganz deutlich gespürt und sein Wirken ganz deutlich erlebt habe. Ich kann ihnen berichten, was mir mein Leben lang geholfen hat, den Glauben nicht aufzugeben, auch wenn es manchmal schwere Zeiten gab.

Daher führe ich schon seit über 30 Jahren ein Glaubenstagebuch, in welchem ich meine ganz persönlichen Erfahrungen mit unserem Herrn festhalte.

Hier habe ich die feste Gewissheit in der Hand, dass Gott lebt und regiert bis in alle Ewigkeit. Ja, er hat und wird auch weiter mein kleines Leben regieren.

Und dies weiterzusagen ist auch ein Reiz des Alterns.

 

3. Der Staub

Ja und dann darf ich auch daran denken, dass mich jeder neue Tag meines Lebens dem Ende näher bringt.

Altersweisheit ist auch die Weisheit, die erkannt hat, dass die Zeit nicht wie bei einer Uhr rundläuft und immer auf’s Neue beginnt. Ich erkenne, dass die Zeit eine Achse ist, die irgendwann einmal endet.

Viele unserer Freunde und Bekannten sind vielleicht schon vor uns heimgegangen. Daher wird auch unser Lebenskreis immer kleiner.

Ein kleinerer Lebenskreis bedeutet auch mehr Zeit für mich. Ich kann darf und sollte mich in dieser Zeit auch auf mein eigenes leibliches Ende vorbereiten.

Ich habe Zeit darüber nachzudenken, wie es denn wohl in der Ewigkeit sein wird. Wen werde ich dort alles wiedersehen? Auf wen freue ich mich ganz besonders?

Wer diese Chance des Alterns wirklich nutzt, der ist ein Mensch, der friedlich heimgehen kann. Ein Mensch, der einfach nur die Seiten wechselt. Ein Mensch halt, der sich auf die ewige Gemeinschaft mit Gott schon hier auf Erden freut.

Diese Reize des Alterns sollten wir alle nutzen.

Wenn wir uns dankbar daran erinnern, wie Gott uns in unserem Leben immer wieder treu zur Seite gestanden ist, wenn wir dies an die Jüngeren weitergeben und wenn wir uns auf unseren Heimgang vorbereiten, dann, liebe Gemeinde ist das Altern eine sehr schöne und sinnerfüllte Zeit für uns alle.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 2. Vers des Liedes „Vertraut den neuen Wegen..“ (EG 395) von Klaus Peter Hertzsch einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 38. Kapitel, die Verse 9-20. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war: Ich sprach: Nun muss ich zu des Totenreiches Pforten fahren in der Mitte meines Lebens, da ich doch gedachte, noch länger zu leben. Ich sprach: Nun werde ich den Herrn nicht mehr schauen im Lande der Lebendigen, nun werde ich die Menschen nicht mehr sehen mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt habe ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden. Tag und Nacht gibst du mich preis; bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und und Nacht gibst du mich preis. Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube. Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Was soll ich reden und was ihm sagen?
Er hat’s getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele. Herr, lass mich wieder genesen und leben! Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen; dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Der Herr hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des Herrn!

Liebe Gemeinde,

Hiskia stand an der Schwelle des Todes und ist wie man so sagt dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Viele Menschen, denen es ähnlich ergangen ist leben nach diesen Erfahrungen ein ganz anderes Leben als vor dieser Begebenheit. Und so können wir bei dem König Hiskia auch drei Lebensphasen erkennen, die wir uns heute Morgen einmal gemeinsam anschauen wollen.

1. Lebensfreude

Hiskia war ja kein schlechter Mensch gewesen. Er ging munter und erfolgreich seinen Regierungsgeschäften nach und besuchte auch, wie wir es in der Bibel nachlesen können regelmäßig die Gottesdienste.

Nur an eines dachte er augenscheinlich nicht; er dachte niemals über seine eigene Endlichkeit nach. Vielleicht kam ab und zu der Gedanke an den eigenen Tod in ihm hoch. Doch das wurde schnell wieder an die Seite gedrängt und auf später vertagt.

Liebe Gemeinde, denken wir nicht auch häufig so wie es der König Hiskia tat. Sprechen wir mit unseren Lieben oder mit unseren Freunden auch mal über das Thema Tod? Wenn ich in einer gemütlichen Runde einen Stimmungskiller suche, dann muss ich nur das Thema Tod ansprechen und schon ist die Stimmung im Eimer.

Und doch sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass auch Gott unseren, wie Hiskia ihn nennt, Lebensfaden eines Tages abschneiden wird. Und keiner von uns weiß wann ER das tut.

Viele Menschen richten sich auf Erden ja so ein, als ob sie die nächsten
500 Jahre auf Erden verbringen. Hiskia indes musste erkennen, dass unser Leben kein Steinhaus ist, sondern ein Hirtenzelt, welches ganz schnell abgebaut werden kann.

Und Hiskia musste erkennen, dass sein Leben nicht ihm, sondern Gott gehört. Daran sollen und müssen auch wir uns immer wieder erinnern.

2. Todesnähe

Hiskia musste auf einen Schlag drei Tatsachen ins Auge sehen:

1. Ich werde nie mehr mit meinen Bekannten zusammen sein können
2. Ich werde nie mehr einen Tempel aufsuchen können, um Gott die Ehre zu geben
3. Ich werde niemals mehr meinen Besitz und den Ertrag daraus genießen können

Das war natürlich schon einmal ein ganz starker Tobak. Ich weiß nicht, wie jeder Einzelne unter uns reagieren würden, wenn wir und so in der Todesnähe befinden, wie dies bei Hiskia der Fall gewesen ist.

Theoretisieren kann man das Thema ja ganz gut, aber wenn man plötzlich selber davon betroffen ist, sieht die Sache schon ein wenig anders aus.

Wie könnten wir uns denn ein wenig besser auf eine derartige Situation vorbereiten? Nun, wir könnten wie wir es bereits bei dem ersten Punkt gehört haben uns immer wieder vergegenwärtigen, dass unser aller Leben allein in SEINER Hand liegt.

Dann könnten wir lernen, ein Leben mit demjenigen zu führen in dessen Hand unser Leben liegt. Diesen jemand müssen wir natürlich zunächst einmal genau kennenlernen. Das geht am besten, wenn man sich seine Lebensregeln anschaut, die er uns in der Bibel übergeben hat.

Dann sollten wir uns mit Gleichgesinnten zusammenschließen um uns gegenseitig zu unterrichten und zu stärken. Und wir sollten immer wieder den direkten Kontakt zu demjenigen unterhalten, der unser Leben in seinen Händen hält.

Dieser jemand wird uns nämlich auch lehren, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass dieses Leben seinen Kindern bestimmt ist.

3. Akutfall

Bei Hiskia war der Aktufall eingetreten. Er hatte die Möglichkeit der Vorbereitung auf eine derartige Lage nicht genutzt und befand sich von jetzt auf gleich in der direkten Todesnähe.

Also schrie Hiskia zu Gott und bat ihn um seine Hilfe. Wie wir es eingangs gehört haben, wurde dieses Gebet von Gott auch beantwortet, indem er Hiskia noch zusätzliche Jahre in seinem Leben schenkte.

Entscheidend ist, wie Hiskia nunmehr weiterlebt. Wie wir in seinem Lied erfahren, hat Hiskia diese Todesangst niemals vergessen. Wir entdecken ein ganz neues Lebensgefühl bei König Hiskia. Er sieht sein Leben nicht mehr als selbstverständlich an, sondern als ein Gnadengeschenk Gottes.
Fortan richtet er sein Leben auch nicht mehr auf die weltlichen Dinge, sondern auf Gott aus.

Gott verheißt Hiskia völlige Genesung. Diese Verheißung weist auch schon im Alten Testament auf den Herrn Jesus Christus hin.

Der Herr Jesus Chrsitus verheißt auch uns Allen völlige Genesung, also die Vergebung unserer Sünden, wenn wir ihn als unseren Heiland und Retter annehmen und unser Leben bestimmen lassen. Wenn wir dies tun, dann verspricht er uns kein zeitliches Leben ohne jedwede Probleme, aber er sagt uns ein Leben in Ewigkeit in seiner Gemeinschaft zu.

Gewiss, liebe Gemeinde, einige Jahre später starb König Hiskia. Wir werden auch eines Tages diese Erde verlassen, aber mit der Eintrittskarte für den Himmel in unserer Hand und damit der Gewissheit, dass wir ewig leben werden.

Dies ist auch der einzige Grund, warum wir uns im Leben und Sterben vor nichts und niemandem mehr fürchten müssen. Weder ewiger Tod noch Teufel haben mehr Macht über uns. Jesus hat den Tod und den Teufel besiegt, um uns die Möglichkeit der Umkehr in unser ewiges Heim zu ermöglichen.

Geben wir doch diesem Herrn die Ehre, indem wir zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut…“ (EG 326) von Johann Jakob Schütz einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut,
dem Vater aller Güte,
dem Gott, der alle Wunder tut,
dem Gott, der mein Gemüte
mit seinem reichen Trost erfüllt,
dem Gott, der allen Jammer stillt.
Gebt unserm Gott die Ehre!

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 7. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 24-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Hausbau

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,

Wer diese Rede hört und tut…., so beginnt unser heutiger Predigttext. Bei dieser Rede handelte es sich um eine ganz gewaltige Predigt unseres Herrn, es handelt sich um die Bergpredigt. Jesus unterstreicht noch einmal die Wichtigkeit des Hörens UND des Tuns. Es ist ja bekanntlich noch einmal eine ganz andere Dimension, wenn wir sonntags einer Predigt lauschen UND diese dann auch wochentags in die Tat umsetzen.

Jetzt können wir diese seine Rede natürlich nicht im Detail anschauen. Beschränken wir uns heute Morgen doch einmal auf drei zentrale Aussagen der Bergpredigt. Wohlgemerkt, alle Aussagen sind gleich wichtig, aber wir haben halt nicht die Zeit, uns alle gemeinsam anzuschauen:

1. Von der Feindesliebe

„Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“

Hey, geht’s noch, Jesus? Das geht aber jetzt wirklich zu weit. Gut, meine Feinde zu ignorieren und nicht gleich auf sie einzuprügeln mit Taten und oder mit Worten, das kriege ich vielleicht noch so gerade eben hin. Und das ist schon verdammt schwer, den ganzen Ärger im Zaum zu halten. Da müsste Jesus doch froh sein, dass ich dies hinbekomme.

Und dann die Sache mit der Liebe. Aber Moment mal, wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir ein, dass ich unmöglich jemanden hassen kann, den ich liebe. Und wenn ich meinen Ärger und Groll tagelang mit mir herumschleppe dann geht es mir auch nicht wirklich besser.

Aber wie kriege ich das hin, die Sache mit der Feindesliebe? Am besten ich gehe zu dem, der die Bergpredigt verfasst hat und frage ihn mal persönlich. Vielleicht sagt er ja zu mir: Übertrag doch den ganzen Groll, die Wut und den Ärger mit deinen Mitmenschen auf mich. Lass los, was dich kaputt macht und übergib mir die ganze Sache.

Ok, Jesus, das könnte klappen. Und das klappt auch. Und das schöne ist, dass es gar nicht mal so schwer ist und mich auch entlastet. Anstelle von Groll und Wut haben jetzt wieder positive Gefühle in meinem Leben Platz.

Und Jesus, was ist das denn? Ich verspüre auch nicht mehr diese Wut und diesen Ärger, wenn ich meinem Mitmenschen begegne. Ich kann ihn sogar freundlich grüßen. Und vielleicht geht ja auch mit Deiner Hilfe noch mehr.

Danke, lieber Herr und Heiland. Aber ich bin mir sicher, dass Du mich das nächste Mal wieder daran erinnern musst. Denn du kennst mich ja in- und auswendig. Und du weißt ja, Herr, außer dir ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

2. Vom Sorgen

Sorgt euch nicht um euer Leben…, ja Herr, das sagst du so schön, aber wenn du wüsstest, was ich alles um die Ohren habe. Was ? Das weißt Du?

Ich soll alle meine Sorgen auf dich werfen, denn du sorgst für mich? Ich würde es ja gerne probieren, aber ich hab da so meine Zweifel, ob das wirklich gut geht. Ja, du hast ja Recht, ich werde es nie erfahren, wenn ich es nicht probiere.

Und dann habe ich es eines Tages probiert. Und es hat tatsächlich hingehauen. In dem Moment, wo ich IHM alle meine Sorgen übergeben habe, da hatte ich den Blick wieder frei auf etwas Neues und ganz andere Sichtweisen. War ich vorher blockiert und in meinen Sorgen gefangen, so hatte ich plötzlich wieder neue und gute Ideen.

Sich nicht zu sorgen heißt ja nicht, Gott alles zu übergeben und sich selber nicht mehr um sein Leben zu kümmern. Wir sollen ja nicht in der christlichen Hängematte liegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, der uns regelmäßig unser Konto auffüllt.

Das meint unser Herr nicht, wenn er uns auffordert ihm unsere Sorgen zu geben.

Er möchte, dass wir getragen von seiner Liebe neue Perspektiven erkennen, die uns verborgen bleiben, wenn wir uns immer nur um unsere Nöte, Sorgen und Probleme kümmern.

Nur mal so nebenbei bemerkt: Gott hat andere Zeitmaßstäbe als wir sie für gewöhnlich haben. Problem und Sorgen übergeben und sofort die Lösung abgeholt das funktioniert so nicht immer. Es kann schon mal eine Weile dauern. Aber auch in dieser Zeit sind wir sicher in seinen Armen geborgen.

3. Vom Tun des göttlichen Willens

„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch!“

Alles klar Jesus, kenn ich: Was du nicht willst dass man dir tut das füg auch keinem andern zu.“  Wie ? Was ? Genau andersrum hast du das gemeint. Ich soll das Sprichwort ins positive drehen?

Jetzt habe ich es verstanden. Die Initiative muss von also mir ausgehen. Ich soll den ersten Schritt machen. Wenn ich also freundlich behandelt werden möchte, dann soll ich zuvor freundlich auf die Leute zugehen.

Und was ist mit diesem stets übelgelaunten Miesepeter in meiner Firma? Trifft das etwa auch auf den zu? Es fällt mir ja schwer, das zu glauben, aber ich probiere es einfach mal. Und siehste, es hat geklappt. Der hat mich doch tatsächlich nach anfänglicher Verwunderung freundlich zurück gegrüßt. Vielleicht ist es ja auch kein stets übel gelaunter Miesepeter.

Jetzt habe ich wieder einmal erkannt, dass das Hören und das Tun gleich wichtig sind.

Aber auch bei der goldenen Regel werde ich meine Schwierigkeiten haben. Und darum bitte ich dich, Herr, hilf mir auch beim nächsten unfreundlichen Zeitgenossen, dass ich auch diesem freundlich begegne.

Und jetzt spinne ich mal ein bisschen. Was wäre, wenn dieser ehemalige Miesepeter das weitergibt, was ich ihm vorgelebt habe? Dann wäre ja bald der gesamte Umgang unter uns Menschen ein ganz anderer.

Und darum möchte ich dich bitten, Herr, öffne nicht nur mir, sondern auch allen meinen Mitmenschen die Augen für diese goldene Regel des Miteinanders.

Wenn wir so handeln, liebe Gemeinde, wenn wir unsere Feinde lieben lernen, wenn wir unsre Sorgen loslassen und auf IHN werfen und wenn wir unsere Mitmenschen so behandeln, wie wir von ihnen behandelt werden möchten, dann haben wir unser Lebenshaus auf einem festen Fundament gebaut. Gewiss, es werden Stürme und Orkane und Platzregen kommen. Aber unser Haus wird Bestand haben, es wird vielleicht wanken aber niemals fallen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in ein altes Anti-Sorgen-Lied und zwar in den ersten Vers des Liedes „Herz, lass dein Sorgen sein…“ einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herz, lass dein Sorgen sein, sorgen schafft Angst und Pein
und frommt doch nicht;
vertrau auf Gott, den Herrn, sein Hilf ist dir nicht fern,
Gott schlummert nicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Kantate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 37-40. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Liebe Gemeinde,

wir befinden uns ja in der nachösterlichen Zeit und haben soeben einen vorösterlichen Predigttext gehört. Irgendwie scheint das nicht so richtig zusammenzupassen. Aber wenn wir genau lesen, dann steckt in diesem Predigttext unser aller Auftrag, den uns Jesus mit auf den Weg gegeben hat. Schauen wir uns dies doch einmal etwas näher an.

1. Die beherzten Jünger

Wir kennen sicherlich alle das Sprichwort: “ Wes des Herz voll ist, dem geht der Mund über.“ Genau dies taten die Jünger.

Sie hatten viel mit Jesus erlebt. Natürlich waren auch viele Wunder dabei. Aber das allein machte ihre Liebe zu Jesus nicht aus.

Dadurch dass sie tagein und tagaus mit Jesus lebten, war ihnen der Herr nicht nur ans Herz gewachsen, sondern in ihr Herz hinein. Das passiert heute genauso wie es damals passiert ist.

Jesus lebt ja auch heute noch mitten unter uns. Mit seiner Kreuzigung war nicht alles vorbei. Bei dem Menschen, der sich ganz bewusst für ein Leben mit Jesus entscheidet, bei diesem Menschen zieht er auch heute noch in sein Herz ein. Dem gibt er sich zu erkennen, dass ER der wahre Heiland unserer Seelen ist.

Und wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist schon einen Lobgesang wert. Die Jünger wollten ja ihre Erkenntnisse nicht für sich behalten. Es sollte ja kein neuer Geheimbund der Jünger Jesu gegründet werden. Jesus macht die Herzen soweit auf, dass auch wir gar nicht anders können, als das weiter zu erzählen, was unser Herr in uns bewirkt hat.

Wenn wir konsequent diesen Weg gehen, dann können wir mit Petrus bekennen “ Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (Johannes 6,68-69)

2. Die verkopften Pharisäer

Wir hatten gesehen, dass die Jünger Jesu mit Herzblut bei der Sache waren. Äußere Rituale interessierten sie wie man so sagt, einen feuchten Kehricht.

Und nun stieß die Lobpreisgruppe auf die Pharisäer. Die Pharisäer waren eher kopf- als herzgesteuert. Ihnen lag es am Herzen, dass alle Gesetze, die wir in den fünf Büchern Mose nachlesen können auch peinlichst genau eingehalten wurden. Das waren zum Beispiel die Sabbatregeln. Aber auch diverse Reinheitsvorschriften und viele andere Regeln gehörten dazu.

Damit wollten die Pharisäer einen Beitrag leisten, dass der versprochene Messias bald kommen möge. Einige Pharisäer gingen sogar davon aus, dass wenn nur zwei Sabbate hintereinander vorschriftsmäßig eingehalten werden, dass dann das Volk Israel sogleich erlöst würde.

Für so etwas wie sentimentalen Lobpreis war da natürlich kein Platz. Alles ging gesittet und geordnet seinen Gang. Und dass der Wanderprediger aus Nazareth der angekündigt Messias sein sollte, das ging schon mal gar nicht. Das war nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Pharisäer, das war ja schon Gotteslästerung.

Also wiesen sie Jesus an, er möge doch bitte seine Truppe zurechtweisen, da sie offensichtlich gegen die Lehren der Pharisäer verstießen.

Liebe Gemeinde, haben wir das nicht heute auch noch ab und wann in unseren Gemeinden. Ich war mal bei einer Ausschusssitzung anwesend, wo sich zwei Pfarrer anbrüllten, welches denn nun die korrekte Abendmahlsliturgie sei. Da war kein Platz für Lobgesang. Da ging es richtig zur Sache.

Aber auch wir sind nicht vor Pharisäismus gefeit. Wenn junge Menschen in einer Gemeinde den Gottesdienst ein wenig anders gestalten wollen, als dies bisher der Fall war, finden sich mit Sicherheit etliche Gemeindemitglieder, die dies unterbinden wollen.

Natürlich hält jeder Mensch gern an Gewohnheiten fest. Das ist auch gut so. Aber wir dürfen mit dem Kopf nicht unsere Herzen verschließen.

3. Der Meister spricht

Jesus sagt nur einen Satz, aber der hat es in sich: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

Schreiende Steine kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber wir können vermuten, was uns Jesus mit dieser krassen Aussage mitteilen will.

Jesus sagt übertragen: Ihr Pharisäer seid im Unrecht. Es wird Zeit, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt und unter das Volk gebracht wird. Und meine Botschaft ist so mächtig, dass man sich einfach weitersagen muss. Meine Jünger können nicht schweigen,

Petrus und Johannes drückten dies natürlich schöner aus, als sie vor dem hohen Rat zur Verantwortung gezogen wurden: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apostelgeschichte 4, 20)

Jesus will nicht mit einem Wisch alle Regeln umstürzen. So sollen wir seine Aussage nicht verstehen. Jesus will unsere Herzen und nicht unsere Rituale.

Jesus will, dass wir ihm beherzt nachfolgen und zwar sieben Tage in der Woche und nicht nur am Sonntag eine Liturgie herunterleiern, weil es denn mal so sein muss.

Jesus will uns aufzeigen, dass wir schnell Gefahr laufen unser Herz an ihn zu verlieren, wenn wir zu sehr auf die Einhaltung religiöser Vorschriften bedacht sind.

Und da sollten wir ansetzen. Leben wir in einer lebendigen Beziehung mit unserem Herrn, oder ist diese Beziehung nur noch durch Rituale bestimmt? Ist ER es, der unser Leben bestimmt oder sind es äußere Handlungen an die wir uns klammern.

Ich habe für mich einen ganz einfachen Weg gefunden um dies herauszufinden. Ich besuche regelmäßig alternative Gottesdienste, zum Beispiel der FCJG oder aber der Jesusfreaks. Wenn ich mich dort nicht wohlfühle, weil wir meine Rituale fehlen, dann wird es Zeit meine Beziehung zu Jesus wieder zu überdenken

Wir haben ja heute den Sonntag Kantate. Darum lassen Sie uns diesem Namen gerecht werden und  zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den zweiten Vers des Liedes: „Du meine Seele singe…“ (EG 302) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

Der Herr segne Dich und behüte dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Ostern. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir in der Apostelgeschichte, Kapitel 17, die Verse 22-34. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Paulus aber stand mitten auf dem Aeropag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.

Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus von ihnen. Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dyonisius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

 

Liebe Gemeinde,

Paulus kam mit einer Missionsabsicht nach Athen, wo das Christentum noch gar nicht bekannt war. In unserer heutigen Zeit treffe ich auf immer mehr Menschen, die den Buddhismus gut kennen, sich auch im Hinduismus auskennen und auch andere fernöstliche Religionen gut zu kennen scheinen. Wenn ich dann mit dem Christentum beginne, geht es mir wie Paulus. Kaum einer kennt sich noch damit aus.

Und das passiert nicht nur mir, sondern das wird uns allen immer häufiger passieren. Wir werden immer häufiger auf Menschen treffen, die von dem Christentum nur noch eine vage Ahnung haben. Gewiss in unserem inneren Zirkel ist dies nicht so. Aber sobald wir ab morgen wieder in die Welt gehen, wird das so sein. Was sagen wir denn den Menschen über das Christentum und über den, der uns hält und trägt?

Lassen Sie uns heute einmal einen kleinen Evangelisationsleitfaden zusammen erstellen, wie wir in aller Kürze Menschen mit dem Christentum in Berührung bringen können.

1. Gott der Schöpfer

Es gibt nur einen Schöpfer des Himmels und der Erde. Und dies ist, wie wir gleich am Anfang der Bibel nachlesen können unseren Herrn im Himmel.

Und Gott schuf den Menschen und somit das ganze Menschengeschlecht. Wir sind also keine Zufallsprodukte, die irgendwann aus einem Urknall heraus entstanden sind. Und wir sind auch keine Wesen, die sich evolutionstheoretisch immer weiter entwickelt haben.

Etwas ganz interessantes in unserem heutigen Predigttext wird leicht überlesen. „Gott hat festgelegt, wie lange wir leben und bestehen…“

Zum einen bedeutet dies, dass natürlich unsere Tage auf Erden gezählt sind. Aber es bedeutet auch ganz konkret, dass Gott, der unseren Geburtstag kannte auch schon unseren Todestag kennt. Wir meinen ja häufig, wir hätten unser Leben fest im Griff. Aber dies ist nicht der Fall.

Und dann bezieht sich diese Aussage von Paulus auch noch auf das ganze Menschengeschlecht. Das ganze Menschengeschlecht, ja die ganze Erde wird eines Tages nicht mehr sein.

Eigentlich ein Grund, mal darüber nachzudenken, wo unsere Reise denn einmal hingeht. Zunächst nach unserem körperlichen Tode und dann am Ende aller Zeiten.

2. Gott ist nahe

Als ich noch ein Kind war, gab es ein Kirchenlied, welches mit dem Satz: „In dem Himmel ferne, da wo die Englein sind…“ begann.

Das war schon ein wenig enttäuschend. Ich musste ja davon ausgehen, dass Gott meine Gebete gar nicht erhören kann. So laut konnte ich doch gar nicht schreien, dass Gott mich erhört.

Wie soll ich Gott also suchen und finden, wenn er für mich so weit weg ist, also unerreichbar ist? Nun, hier schreibt Paulus die entscheidenden Worte: „Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“

Gott ist also immer nur eine Handbreit von uns entfernt. Wenn ich gefragt, werde, wie ich denn Gott finden kann, dann antworte ich: „Rede mit ihm, er steht ja direkt neben Dir!!!“

Natürlich wirkt das für glaubensferne Menschen ein wenig wie Spinnerei. Ich rate jedem Menschen, der an der Existenz Gottes zweifelt zu einem kleinen Experiment. Er möge doch einmal 14 Tage lang so tun, als ob Gott tatsächlich existiert. Das beinhaltet natürlich auch, dass man in dieser Zeit sich mit Gottes Wort beschäftigt und auch mit ihm redet.

Ich kann nur immer wieder sagen, dass es kaum noch Zweifler gab unter den Menschen, die dieses Experiment ehrlichen Herzens mitgemacht haben.

Und auch wir, die wir ja schon Gottes Kinder geworden sind, auch wir dürfen uns immer wieder daran erinnern, dass Gott nur ein Gebet weit von uns entfernt ist. Übrigens Gottes Telefonnummer sollten wir uns alle gut merken: 5015 (Psalm 50, Vers 15).

3. Das Gnadenangebot

Jetzt haben wir unseren Mitmenschen erklärt, dass es Gott gibt und dass er uns ganz nahe ist. Jeder intelligente Mensch wird aber fragen: Und was habe ich davon?

Gott macht jedem Menschen ein Glaubensangebot. Jesus Christus ist für all unsere Sünden ans Kreuz genagelt worden. Er hat für all unsere Sünden ein für alle Male bezahlt. Jetzt kann uns nichts mehr von Gott, der in seiner Gegenwart keine Sünde duldet, trennen.

Doch automatisch klappt daas nicht. Wir müssen alle unsere Sünden ehrlichen Herzens bereuen und den tiefen Wunsch haben von diesen Sünden loszukommen und nicht mehr zu sündigen. Wenn wir dann noch zu dem, was Gott zu uns gesagt hat unser JA sagen, dann sind wir von dem Moment an nicht mehr nur Gottes Geschöpfe sondern wieder seine geliebten Kinder.

Paulus beschreibt dies sehr schön, indem er sagt, dass wir göttlichen Gechlechtes sind. Wir sind nicht nur Kinder, wir sind sogar Königskinder. Und als solche hat der Tod keine Macht mehr über uns, weil Jesus dem Tod die Macht genommen hat.

Er, der am dritten Tage auferstanden ist von den Toten wird auch uns nicht im Tod belassen. An dem Tag, wo Himmel und Erde vergehen werden, ab diesem Tage werden wir mit Gott in der Ewigkeit zusammenleben.

Paulus spricht noch von goldenen und silbernen Bildern. Damit ist die Religion gemeint. Die Beziehung zu Gott ist eine ganz persönliche Beziehung zwischen uns allen und unserem Herrn. Er erwartet nicht, dass wir religiös sind, er erwartet von uns, dass wir in einer Beziehung zu ihm leben. Und da tritt alle Religion, wie Reliquien- oder Heiligenverehrung in den Hintergrund.

Gott will keine religiös verkrampften Geschöpfe um sich haben, er möchte fröhliche Christen aus uns machen, die seine Botschaft auch fröhlich weitergeben. Nicht mehr und nicht weniger.

Menschen, die im Glauben noch unerfahren sind, rate ich immer, den ein oder anderen Bibelspruch auswendig zu lernen. Dazu gehört zum Beispiel der Psalm 23 und der Psalm 121. Aber es gehören auch Liedverse dazu, die uns im Glauben stärken und ermuntern sollen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in einen solchen Liedvers einstimmen. Es ist der erste Vers des Liedes „Du meine Seele singe…“ (EG 302) von Paul Gerhardt, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Ostern. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Hesekiel im Kapitel 34, die Verse 1-2 und 10-16 und Vers 31. Lassen Sie uns diesen Predigttext zunächst gemeinsam lesen:

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden.
Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zurzeit, als es trüb uns finster war. Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes.
Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

 

Liebe Gemeinde,

im Buch Hesekiel geht es in den vorangegangene Kapiteln um die Sünden Israels. Und da waren einige zu nennen. Immerhin geht es in den sage und schreibe 32 Kapiteln um nichts anderes. Und jetzt kommt die große Abrechnung. Schauen wir uns diese doch einmal etwas näher an:

1. Die da oben

Wenn ich an die aktuellen Geschehnisse denke, dann kommen auch mir so manches Mal die Worte „Die da oben“ in den Sinn.

Da werden Versäumnisse aufgedeckt, die so nicht hätten passieren dürfen, wenn man etwas sorgfältiger gearbeitet hätte. Da bereichern sich Mandatsträger unter Ausnutzung ihres Mandates um siebenstellige Summen. Und es gäbe noch viel mehr darüber zu berichten, wo die da oben mal wieder so richtig „Mist“ gebaut haben.

Wie der Herr damals die Sünden Israels ganz genau gesehen hatte, so sieht er die Sünden von „Denen da oben“ in der heutigen Zeit genauso.

Und das Urteil klingt vernichtend. ER will sie alle zur Rechenschaft ziehen, alle, die gegen seine Gebote verstoßen haben und sich an der ihnen anbefohlenen Herde versündigt haben.

Das heißt aber auch, dass wir uns gar nicht aufregen sollen über die Sünden derer, die gegenüber uns schuldig geworden sind. Wir sind nicht die Richter dieser Welt. Wir sollen das alles unserem Herrn übertragen; denn ER ist der einzige, ewige und gerechte Richter.

Natürlich kommt in uns manches Mal die Wut hoch, aber einer Tatsache dürfen wir gewiss sein: Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber vortrefflich fein.

So, Gott wird denen da oben schon zeigen, wo der Hase lang läuft. Aber:

2. Hirten und Schafe

Liebe Gemeinde, wenn wir auf das große Weltgeschehen schauen, dann sind wir sicherlich die Schafe, die unter der Obhut der Hirten stehen.

Aber, und das ist auch ganz entscheidend, wir sind auch Hirten in dieser Welt. Und jetzt wird’s ein wenig unbequem.

Als Eltern sind wir zum Beispiel Hirten über unsere Kinder. Als Vorgesetzte sind wir die Hirten unserer Mitarbeiter. Als Lehrer sind wir die Hirten über die uns anvertrauten Schüler. Wir sind also nicht nur Schafe, die meckern dürfen.

Wie der Herr die Hirten da oben richtet, so wird er auch uns als Hirten richten.

Und jetzt müssen wir uns einmal folgende Fragen stellen:

Habe ich mich als Elternteil stets gemäß den Vorgaben des Wortes Gottes gegenüber meinen Kindern verhalten, oder sind mir vielleicht doch so manches Mal die Sicherungen durchgebrannt. Habe ich als Vorgesetzter stets gerecht und ohne Ansehen der Person meine Leitungsfunktion ausgeübt, oder habe ich doch den ein oder anderen Liebling in meiner Mannschaft. Und habe ich dies nicht auch als Lehrer getan, wenn ich, vielleicht auch nicht so ganz bewusst, den einen oder anderen Schüler bevorzugt behandelt?

Wir sehen, liebe Gemeinde, als Hirten sind auch wir in der Pflicht und ich behaupte mal, dass wir alle als Hirten so manches Mal jämmerlich versagt haben. Ich kann das für mich nur immer wieder bestätigen. Wie oft habe ich schon einen Besuch aufgeschoben, der mir unangenehm war. Wie oft habe ich überreagiert, wenn man meine Überzeugungen angegriffen hat. Und wie oft habe ich schlichtweg die Anliegen meiner Mitmenschen nicht so ernst genommen, wie diese sie gesehen haben.

Also wird der Herr auch mit mir so ins Gericht gehen, wie mit denen da oben aus dem ersten Teil der Predigt.

3. Allumfassende Rettung

Bisher sah es ja so richtig düster für uns alle aus. Wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann haben wir alle es verdient, dass Gott mit uns ganz hart ins Gericht geht.

Aber, das haben wir ja an Ostern gesehen, Gott hat für uns alle seinen genialen Rettungsplan in die Tat umgesetzt.

Indem Jesus Christus für all unsere Sünden den Kreuzestod erlitten hat, und für all unsere Sünden bezahlt hat, haben wir wieder die Möglichkeit erhalten Gottes Kinder zu werden.

Es liegt also an uns, wohin die Reise geht. Ja, es geht in den Himmel wenn wir unser Ja zu dem was Jesus für uns getan hat gesagt haben.

ER als der gute Hirte sucht das Verlorene. ER als der gute Hirte bringt das Verirrte wieder zurück. Er als der gute Hirte verbindet uns die wir verwundet sind und ER als der gute Hirte stärkt uns schwache Menschen.

Und dies macht er fortan unser ganzes Leben lang.

Natürlich werden auch wir als bekehrte und wiedergeborene Christen uns immer mal wieder verirren. Dazu ist der Teufel viel zu gerissen, als dass wir all seine Spielchen durchschauen könnten. Natürlich werden auch wir Verwundungen erleiden müssen, die unser Herr dann wieder heil macht. Und auch wir kommen als Christen dahin, wo wir schwach und ausgelaugt sind und vielleicht nicht mehr wissen, wie es denn nun weitergehen soll. Und da spricht ER zu uns, dass ER uns wieder stark machen will.

Kennen Sie etwas Schöneres auf dieser Welt? Ich nicht.

Liebe Gemeinde, zum Abschluss eines jeden Gottesdienstes singen wir ja immer ein Lied. Da unsere heutige Predigt von Hirten und Schafen handelte lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam den Psalm 23 beten, der da lautet, wie folgt:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, füchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Quasimodogeniti. Übersetzt bedeutet dies: Wie die neugeborenen Kindlein. Und daran dürfen wir uns nicht nur am heutigen Tage, sondern jeden Tag in unserem Leben erinnern, dass auch wir alle, die wir dem Herrn Jesus nachfolgen von neuem geborene Kinder im Geist sind.

Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1-14.

Der Auferstandene am See von Tiberias

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen?
Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die anderen Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig.
Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Liebe Gemeinde,

eine schöne Geschichte, die wir eben gehört haben. Da geht einem doch wirklich das Herz auf. Hinter dieser Geschichte steht aber noch etwas anderes; wir erfahren etwas über Gottes Wirken hier und heute im Jahre 2021. Lassen Sie uns dies doch einmal etwas näher betrachten.

1. Nah und Fern

Wo ist Gott? Wenn wir ehrlich sind, dann fragen wir uns doch alle dies hin und wieder.

Besondern dann, wenn manche Gebete einfach unter der Zimmerdecke zu enden scheinen. Da beten wir, und beten wir und es geschieht nix. Warum bete ich dann überhaupt noch?

Nun, liebe Gemeinde, auch wenn wir unseren Herrn nicht sehen können, so ist er doch immer ganz nah bei uns. Er erhört auch jedes Gebet. Aber er beantwortet unsere Gebete in der Form, wie es für uns am besten ist. Für uns mag es dann so ausschauen, als ob Gott Gebete nicht erhört.

Jesus hatte auch das Desaster des nächtlichen Fischzuges gesehen. Und da stelle ich mir die Frage: Wieso lässt Gott die Fischer keine Fische fangen. Es sind doch seine treuesten Jünger, die ihm nachfolgen. Als seine geliebten Kinder haben sie doch einen Anspruch auf Vollversorgung durch ihren Herrn und Meister.

Aber denken wir doch einmal darüber nach, was die Jünger gemacht haben. Sie beschlossen auf eigene Faust fischen zu gehen. Da lesen wir nichts von einem Gebet vor dem Fischzug.

Und so kann es auch uns in unserem Leben gehen, wenn wir auf eigene Faust losmarschieren ohne mit Gott Rücksprache gehalten zu haben. Da kann es tatsächlich passieren, dass wir voll auf die Nase fallen und dass uns nichts von dem gelingt was wir uns vorgenommen haben.

Und dann, liebe Gemeinde, dürfen wir uns nicht beschweren, dass Gott überhaupt nicht eingreift. Wir haben ihn ja auch gar nicht gefragt bzw. darum gebeten.

Jesus wirkt auch heute noch, so wie vor 2000 Jahren. Aber ER möchte gern, dass wir ihn in unser Boot einladen, damit wir gemeinsam mit ihm auf unsere Lebensreise gehen.

2. Gott kommt unerwartet

Denken wir einmal an die Situation der Fischer. Sie hatten die ganze Nacht hart gearbeitet. Aber das Ergebnis war niederschmetternd. Nicht einen einzigen Fisch hatten sie gefangen.

Ein Tag ohne Fang hieß ein Tag ohne Essen für die Familie. Damals gab es eben noch kein Hartz IV. Wer kein Essen hatte, der musste halt hungern.

Da haben sie bestimmt an die Zeit gedacht, als sie mit Jesus unterwegs waren. Sie werden bestimmt auch an die Speisung der fünftausend gedacht haben, wo hinterher noch so viel übriggeblieben war. Das waren noch Zeiten, als der Herr bei ihnen war!!!

Und als sie vielleicht gerade daran dachten sehen sie den Herrn am Ufer stehen. Keiner hatte mit seinem Erscheinen gerechnet. Und doch stand er auf einmal da mitten in ihrem Alltagsdrama. Nicht sonntags im Gottesdienst oder in der Gemeinschaftsstunde. Nein der Herr steht unter ihnen mitten in ihrem Elend.

Und darauf dürfen wir uns auch heute noch verlassen, liebe Gemeinde. Unser Herr kommt auch heute noch meist dann, wenn wir gar nicht mit ihm rechnen. Auf einmal mitten in der Not steht ER auch heute noch Menschen in ihren Nöten bei. Unser Herr kommt spätestens rechtzeitig.

ER lässt uns niemals im Stich, egal, wie groß die Not auch sein mag. Das hat er uns ja versprochen als er uns sagte: Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

3. Gott schenkt unerwartet

Das war ja schon eine sonderbare Situation. Da fordert Jesus die Jünger auf, am hellichten Tage die Netze auszuwerfen. Jeder, der sich ein wenig mit dem Fischfang auskennt der weiß doch, dass die Fische tagsüber abtauchen und erst in der Dunkelheit wieder an die Oberfläche kommen.

Aber trotzdem waren die Jünger dem Herrn gehorsam und erlebten ein wahres Wunder. Sie, die die ganz Nacht lang nichts gefangen hatten, fingen auf einmal 153 Fische, ein vielfaches von dem, was sie sonst gefangen hatten. Und das auch noch tagsüber !!!

Was hatten sie denn nun getan? Die Jünger hatten auf Jesu Wort gehört. Auch wenn es ihnen als blanker Unsinn erscheinen musste, so haben sie den Worten Jesu nicht widersprochen. Und sie haben genau das getan, was Jesus ihnen gesagt hatte. Ohne Diskussionen, ohne Hinterfragen und ohne Nörgeleien.

So sollten wir es auch wieder tun liebe Gemeinde. Als neugeborene Kindlein sollten wir den Worten unseres Herrn wieder unser vollstes Vertrauen schenken und auf seinen Rat hören und diesem dann auch nachkommen.

Jetzt bleibt aber noch ein Problem zu lösen. Wohin mit all den Fischen ? Am nächsten Tag sind sie verdorben.

Wenn der Herr uns beschenkt dann ist er niemals knauserig. Er schenkt immer großzügiger als wir es uns vorstellen können. Er schenkt aber nicht, damit wir etwas horten für schlechte Zeiten. Das ging ja, wie gesagt, bei den Fischen auch gar nicht.

Der Herr schenkt uns viel, damit wir auch viel weitergeben können. Wir sollen mit den Geschenken unseres Herrn verantwortungsvoll umgehen und diese auch weitergeben an Menschen, die sie ganz dringend benötigen.

Das ist übrigens nicht auf materielle Werte beschränkt. Manch einem unter uns schenkt der Herr auch viel Zeit, welche er dann Mitmenschen in Not geben kann.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 5. Vers des Liedes „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ (EG 115) von Christian Fürchtegott Gellert einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

Der Herr segne dich und behüte dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Ostermontag. In vielen Gemeinden finden die Gottesdienste an diesem Feiertag in den Friedhofskapellen statt als Zeichen, dass das hiesige Ende unserer Person nicht das tatsächliche Ende der Welt ist. Unser heutiger Predigttext entführt uns in das Geschehen jener letzen Tage. Wir finden den Predigttext für den heutigen Ostermontag in der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5, die Verse 6-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und die sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht und sie werden herrschen auf Erden. Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und die vier Gestalten prachen: Amen ! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Liebe Gemeinde,

wie wird es denn sein, wenn ich in den Himmel komme. Dies ist keine Frage, die mir von älteren Christen nicht sehr oft gestellt wird, sondern diese Frage interessiert insbesondere viele Jugendliche. Unter den Älteren findet man ja das Phänomen, dass der Tod totgeschwiegen wird. Selbst unser örtlicher Bestatter wurde gebeten, die Verstorbenen aus unserer Seniorenresidenz doch bitte nicht mit dem Leichenwagen, sondern mit einem neutralen Fahrzeug abzuholen. Und dabei sterben wir doch nicht, sondern wir gehen heim. Und was uns daheim erwartet, darüber lassen Sie uns heute Morgen einmal zusammen reden.

1. No ranks no titles

Diese Überschrift stand vor Jahren als Headline über allen Stellenanzeigen eines großen amerikanischen Unternehmens, welches nach Deutschland expandierte.

Während in deutschen Unternehmen noch starre Hierarchien an der Tagesordnung waren, hatte man in diesem Unternehmen auf flache Hierarchien gesetzt.

Und, liebe Gemeinde, eine solche flache Hierarchie ist ja nichts Neues, diese erwartet uns auch im Himmel.

Dort gibt es einen einzigen Chef. Und danach kommen sofort wird als Schwestern und Brüder alle auf einer gleichen Stufe. Wie wir es soeben gehört haben, werden dort alle Stämme, alle Sprachen, alle Völker und alle Nationen vertreten sein.

Und darauf sollten wir uns hier auf Erden schon einmal richtig vorbereiten. Ich denke gerade daran, wie sich während der ersten Monate der Coronapandemie die Staaten der europäischen Union wieder voneinander abschotteten und viel Kleinstaaterei betrieben wurde.

Genau das wird es im Himmel aber nicht geben. Wir sind alle Gottes geliebte Kinder. Da wird nicht der eine etwas mehr und der andere etwas weniger geliebt.

Und genau das sollten wir hier auf Erden schon untereinander in die Tat umsetzen.

Da ist der Flüchtling aus dem Iran, der alles andere als ein Sozialschmarotzer ist. Er ist genau so ein geliebtes Kind Gottes, wie wir es sind. Da ist der Obdachlose aus der Fußgängerzone. Und auch er ist ein so von Gott geliebtes Kind, wie wir es sind.

Daher, liebe Gemeinde, sollten wir mit allen unseren Schwestern und Brüdern liebevoll umgehen. Ohne Ranks und Titels.

2. Könige und Priester

Liebe Gemeinde, wir sind alle Königskinder. Er, der der König aller Könige ist, hat uns wieder zu seinen Kindern werden lassen.

Wir sind also keine Sklaven, die sich die Wohnung im Himmel sauer verdienen müssen. Nein, zu Königskindern hat uns Gott gemacht, als wir zu ihm zurückgekehrt sind.

Als Kind habe ich natürlich ganz andere Rechte, als ein Sklave. Ich habe das Recht im königlichen Schloss zu wohnen. Nur mal nebenbei bemerkt unser Herr hat uns ja versprochen, dass unsere Wohnungen schon bereitet sind, wenn wir im Himmel ankommen.

Als Kinder sitzen wir mit am königlichen Tisch und nehmen mit dem König zusammen das Mahl ein. Daran erinnern wir uns immer wenn wir gemeinsam das Abendmahl feiern.

Als Kinder haben wir gegenüber unserem Vater im Himmel das Recht auf eine Komplettversorgung. Alles, was wir benötigen, das lässt uns unser Vater im Himmel zukommen. Und das nicht erst in der Ewigkeit, nein schon hier auf Erden wird ER seiner väterliche Fürsorgepflicht gerecht.

Und dann sind wir auch noch Priester. Das steht auch in unserem Predigttext. Als Priester haben wir das Recht, die frohe Botschaft unseren Mitmenschen weiterzusagen. Die Priesterschaft aller Gläubigen besagt, dass die frohe Botschaft nicht nur von den Kanzeln dieser Welt herunter gepredigt werden soll, sondern dass dies vor allem im Alltag von uns allen geschehen soll.

Oder wie es Papst Franziskus einmal gesagt hat: „Die frohe Botschaft muss immer und überall verkündigt werden; notfalls auch mit Worten.“

3. Ehre und Preis

Jetzt wird es noch einmal etwas ungemütlich, da eben nicht alles in unserer Hand liegt.

Gott allein ist der Herrscher aller Herrscher. Im Himmel gibt es keine Demokratie. Im Himmel gibt es die göttliche Diktatur.

So, jetzt haben wir alle einmal tief durchgeatmet und uns darüber gewundert. Aber, liebe Gemeinde, dieser himmlische Diktator hat bei seinen Regierungsmaßnahmen immer nur eines im Kopf, nämlich das Wohlergehen seiner geliebten Kinder.

Anders als viele Diktatoren dieser Welt, will er uns immer ein Retter und Begleiter sein. Nicht erst im Himmel sondern schon hier auf Erden.

Und daher gebührt ihm schon hier auf Erden unser aller Lob, Ehre und Preis.

Hören wir doch endlich auf mit der unsäglichen Bibelkritik, die meint, alles besser zu wissen und hören wir doch endlich auf mit unserer permanenten Unzufriedenheit und Nörgelei, wenn etwas mal nicht so läuft, wie wir es gerne hätten.

Lassen Sie uns heute den Anfang damit machen, wieder allein unserem Vater im Himmel darauf zu vertrauen, dass er der einzige ist, der wirklich weiß was gut für uns ist. Und lassen sie uns IHN dafür loben, ehren und preisen.

Lassen Sie uns dies nun zum Abschluss unseres heutigen Gottesdienstes gemeinsam tun, indem wir zusammen in den zweiten Vers des Liedes „Allein Gott in der Höh…“ (EG 179) von Nikolaus Decius einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wir loben, preisn, anbeten dich; für deine Ehr wir danken,
dass du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken.
Ganz ungemessn ist deine Macht, allzeit geschieht, was du bedacht.
Wohl uns solch eines Herren !

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden.

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Ostermontag und einen guten Start in diese neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Mit diesem Ostergruß begrüße ich Sie alle ganz herzlich am heutigen Ostersonntag. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich natürlich auch mit dem Geschehen rund um die Auferstehung unseres Herrn. Wir finden den Predigttext für den heutigen Ostersonntag im 28. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:
Jesu Auferstehung

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Liebe Gemeinde,

natürlich steht die Auferstehung unseres Herrn im Mittelpunkt des Geschehens am Ostersonntag. Aber es ist bestimmt nicht verkehrt, wenn wir uns einige andere Details unseres Predigttextes ein wenig genauer zusammen anschauen, die auch für unser Leben als Christ in der heutigen Welt von Bedeutung sind.

1. Jesus geht durch dick und dünn

Liebe Gemeinde, wenn wir den Predigttext aufmerksam lesen, dann waren unsere beiden Marias bereits am Grab, als der Engel vom Himmel herabkam und den Stein des Grabes wegwälzte. Und dann konnte Jesus auferstehen.

Nein, genau so war es eben nicht. Jesus war bereits auferstanden bevor der Engel den Stein vor dem Grab weggewälzt hatte. Sogleich sagte der Engel den Frauen ja auch den entscheidenden Satz: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“

Was sagt uns das? Zunächst einmal zeigt es uns, dass Jesus durch die dicksten Mauern gehen kann. Übertragen heißt dies aber auch, dass Jesus durch die verhärtesten Herzen hindurch dringen kann.

Daran sollen wir denken, wenn er uns den Missionsbefehl erteilt. Wir tragen nur die frohe Botschaft weiter. Die Herzen für die frohe Botschaft aufbrechen und dort Einzug halten, das kann nur er. Daher sollen wir auch nicht verzweifeln, wenn unsere Missionsbemühungen augenscheinlich ins Leere laufen.

Im Reiche Gottes arbeiten wir eben nicht ergebnisorientiert. Bei einer Evangelisation zählt eben nicht die Menge, die sich am selben Abend unter das Kreuz begibt als Erfolg oder Misserfolg einer solchen Veranstaltung.

Das offene Grab zeigt uns aber noch mehr. Der Engel will uns damit aufzeigen, dass mit Jesu Erlösungstat die Türe zum Vaterhaus wieder für uns geöffnet ist. Vorher hatten wir keine Chance; jetzt aber dürfen wir wieder zu unserem Vater im Himmel kommen.

Aber, und das ist mit dem Grab auch gemeint: Dieser Weg geht nur über Jesus. Ohne Jesus kommen wir nicht zum Vater.

Der Stein, dessen Überwindung für Jesus kein Problem darstellte soll uns noch ein drittes sagen: Auch wir stehen oftmals vor dicken, undurchdringlichen Mauern in unserem Leben. Mauern, an denen wir einfach nicht mehr weiter wissen. Mit Jesus an unserer Seite können wir aber auch diese Mauern überwinden.

2. Fürchtet Euch nicht

Zweimal lesen wir diesen Satz in unserem heutigen Predigttext. Einmal sagt der Engel dies zu den beiden Frauen am Grab. Und ein zweites Mal sagt es Jesus höchstpersönlich zu den beiden Marias.

Im Urtext finden wir hier das Wort „Phobeo“. Eine Phobie ist eine Angst, die objektiv betrachtet unbegründet ist.

Die allseits bekannte Spinnenphobie ist eine solche Angst. Objektiv betrachtet müsste die Spinne mehr Angst vor uns haben, als wir vor der Spinne.

Der Engel sagt übertragen etwas vollkommen Banales: Ja, Jesus ist auferstanden. Das ist vollkommen normal. Das war ja auch von Anfang an der Plan gewesen. Also für den Himmel nichts Außergewöhnliches.

Dann das nächste Fürchte euch nicht, welches Jesu Worte an die Jüngerinnen waren. Jetzt müssen wir uns kurz noch folgendes vor Augen halten: Jesus war gekreuzigt und begraben worden. Jetzt hatten sie die Worte des Engels gehört, dass er auferstanden sei. Und dann steht ER wahrhaftig vor ihnen, sie fallen vor ihm nieder und umklammern seine Füße.

Das hatte noch eine ganz andere Dimension. Es ist also kein Geist, den sie anbeten, sondern tatsächlich Jesus, der wieder lebt. Wenn Jesus diese Worte zu ihnen spricht, dann meint er das, was der Engel bereits gesagt hat. Er würde vielleicht noch gesagt haben: Das habe ich euch doch alles schon vor meiner Kreuzigung gesagt. Es ist vollkommen normal, dass ihr mich sehen und mich berühren könnt.

Es besteht daher für euch kein Anlass zur Furcht. So, und jetzt können wir das, was der Engel und Jesus den Frauen gesagt hat auch positiv ausdrücken. Das Gegenteil von Angst und Furcht ist bekanntermaßen die Freude. Anstelle des Fürchtet euch nicht, könnten wir dies auch mit Freuet euch übersetzen. Und damit wären wir bei unserem Ostergruße. Liebe Gemeinde, freuet euch, der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

3. Gehet hin und verkündigt es

Jesu Auferstehung sollte je kein Schauspiel für Insider sein. Es hatte, wie wir alle wissen, ja einen tieferen Sinn. Und daher war es nicht damit getan, dass der engste Kreis um Jesus herum von diesem Auferstehungsgeschehen wusste.

Nein, Jesus sagte den Jüngerinnen, dass sie hingehen sollten und das, was sie gesehen und erlebt hatten weitersagen sollten. Zunächst dem engeren Kreis und dann der ganzen Welt.

Und so ist es bis zum heutigen Tage geblieben. Wir, die wir zu Jesus gekommen sind und den Herrn als unseren Erlöser angenommen haben sollen dies, was wir erlebt haben auch den Menschen weitersagen, die eben noch nichts von Jesus gehört haben.

Wenn wir dies unseren Mitmenschen weitersagen, dann werden sie, wenn sie es denn wollen unseren Herrn auch mit den Augen des Herzens erkennen, sehen und spüren können.

Und somit hat das Auferstehungsgeschehen einen innere und eine äußere Wirkung. Die innere Wirkung betrifft unser eigenes Verhältnis zu unserem Herrn. Wenn wir das, was Jesus für uns getan hat im Glauben annehmen, dann steht uns der Himmel sperrangelweit offen. Die äußere Wirkung des Auferstehungsgeschehens besteht darin, dass wir den Missionsauftrag, den wir von unserem Herrn erhalten haben auch mit Leben füllen.

Lassen Sie uns gleich heute damit beginnen.

Nunmehr wollen wir zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den fünften Vers des Liedes „Jesus lebt, mit ihm auch ich…“ (EG 115) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Jesus lebt ! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden.
Keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Ostersonntag und ich freue mich, wenn wir schon am morgigen Tage wieder beisammen sein dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Karfreitag. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 52. Kapitel, die Verse 13-15 und im Kapitel 53, die Verse 1-12. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder, so wird er viele Heiden besprengen, dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart?
Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen ? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volkes geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. So wollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit.
Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des Herrn Plan wird durch seine Hand gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünden der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Liebe Gemeinde,

dieser Text ist uns allen sicherlich hinlänglich bekannt. Ja, es war grausam, was der Sohn Gottes für uns erleiden musste. Daran sollten wir uns immer wieder erinnern, wenn wir auf ein Kreuz schauen. Alle die ein Kreuz an einer Halskette tragen sollten sich auch daran erinnern, dass es nicht nur ein Schmuckstück ist, sondern das dieses Kreuz eine dreifache Auswirkung für uns und unser Leben hat.

Lassen Sie uns diese drei Auswirkungen des Kreuzes heute am Karfreitag einmal etwas genauer betrachten:

1. Strafe und Heilung

Mit dem Tod am Kreuz hat Jesus die Strafe auf sich genommen, welche eigentlich wir verdient hätten. Immer dann, wenn wir unseren Heiland am Kreuze hängen sehen, sollen wir daran erinnert werden, dass ER es war der unsere Strafe getragen hat.

ER, der niemals auch nur die kleinste Sünde begangen hat, ist als Bezahlung für unsere Sünden gestorben.

Jetzt kommen wir zur Heilung. „Durch seine Wunden sind wir geheilt“, so haben wir es soeben gehört. Da steht nicht, dass wir durch seine Wunden geheilt werden könnten. Da steht, dass wir definitiv durch seine Wunden geheilt sind.

Das bedeutet nichts weniger, als dass von Gottes Seite alles getan worden ist, damit wir wieder zu ihm kommen können.

Lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen von religiösen Fanatikern, die an das Heil immer wiederkehrende rituelle Handlungen knüpfen. Das ist nicht wahr. Das einzige, was wir tun müssen, ist dieses Geschenk, welches uns Gott bereitet hat auch dankbar anzunehmen.

Wir leben ja nun mal in einer Leistungsgesellschaft. Und es wird einem ja freilich nichts geschenkt. Das dürfen wir aber nicht auf Gott übertragen. Jeder Leistungsgedanke, der vielleicht doch zu unserer Erlösung beitragen könnte ist blanker Unsinn und hat in Gottes Reich nichts verloren.

2. Angst und Gericht

Wir haben gehört, dass unser Herr aus dem Gericht genommen worden ist. Das gleiche trifft auch auf uns als seine Jünger zu.

Liebe Gemeinde, hier geht es um das Gericht, welches über unseren Verbleib in der Ewigkeit entscheidet. Für diejenigen, die bereits hier auf Erden das Geschenk unseres Herrn angenommen haben gibt es keine ewige Verdammnis in der Hölle.

Wir alle haben das Bürgerrecht des Himmels bereits in unserer Tasche. Und darüber dürfen wir dankbar sein und uns von ganzem Herzen freuen.

Jetzt haben wir auch gehört, dass Jesus aus der Angst herausgenommen wurde. Und darüber müssen wir noch ein wenig reden.

Jetzt mal Hand auf’s Herz: Wovor haben Sie Angst ? Ich kenne keinen Menschen, der nicht irgendwann einmal vor irgendetwas Angst gehabt hat oder aktuell hat. Aktuell tragen sehr viele Menschen die Angst um ihre Gesundheit in ihrem Herzen. Die Angst um den Arbeitsplatz ist auch bei vielen Menschen latent vorhanden. Die Jüngeren unter uns plagt die Sorge, ob sie überhaupt eine Ausbildungsstelle erhalten und die Älteren unter uns haben vielleicht Angst, dass ihre Rente nicht zum Leben reicht.

Jetzt etwas tröstliches, das Jesus zu uns in einer seiner Endzeitreden gesagt hat: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Schön und gut, aber wir leben noch in dieser Welt und haben diese eben noch nicht überwunden. So ganz ist dies für uns aber nicht der Fall.

Wir, die wir heute morgen beisammen sind, sind doch alle seine Nachfolger. Wir haben uns alle doch einmal ganz bewusst dazu entschlossen, dem Herrn Jesus unser Leben zu übergeben. In dem Moment wo wir dies getan haben, kam es in unserem Leben zu einem Regierungswechsel. Unser Herr und Heiland hat den Thron unseres Lebens bestiegen und regiert fortan unser Leben.

So gesehen, haben wir „Die Welt“ nämlich auch schon mit ihm zusammen überwunden. Und zwar die Welt, die von Angst, Hass und Gewalt regiert wird.

Dadurch dass wir mit ihm zusammen leben, hat uns unser Herr auch aus der Angst genommen. Wir brauchen uns vor nichts mehr zu fürchten, egal, was immer auch auf uns zukommen mag. Im Vertrauen auf unseren Herrn dürfen wir der Zukunft ganz getrost entgegensehen. Das heißt aber nicht die Hände in den Schoß zu legen, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und auf den Himmel zu warten.

Wir sollen weiterhin mit Jesus auf Erden so leben, wie wir es bisher getan haben. Wenn sich dann die Angst zurückmeldet, dürfen wir darauf vertrauen, dass uns der „Jesusfaktor“, den wir seit dem Regierungswechsel in uns tragen schon durch die Angst tragen wird.

3. In die Länge leben und Ewiges Leben

„Er wird in die Länge leben“, auch das haben wir in unserem Predigttext gehört. Ja, liebe Gemeinde, Jesus ist wahrhaftig unter uns. Nicht nur heute im Gottesdienst sondern alle Tage bis an der Welt Ende. Wir können uns jederzeit mit allem was uns bedrückt vertrauensvoll an ihn wenden. Und wenn wir diese Welt verlassen, dann erwartet uns das ewige Leben in seiner Gegenwart.

Und somit wird auch Gottes großer Plan mit dieser Welt gelingen. Was können wir denn dazu beitragen ? Nun, wir sollen unser Leben von Jesus getragen führen. Wir sollen ihm allein nachfolgen und wir sollen die frohe Botschaft möglichst vielen Menschen weitersagen.

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen: Dieser Text wurde ca. 700 Jahre vor Christi Geburt verfasst. Gott gab Jesaja also schon einen ganz genauen Einblick in das, was 700 Jahre später geschehen sollte. Und dies ist genau so eingetreten, wie Gott es Jesaja gesagt hat.

Und jetzt liebe Gemeinde, wage ich eine steile Aussage: Wer diesen Text gelesen hat und auch die Bestätigung dieses Textes im Neuen Testament gelesen hat, für den ist kein Platz mehr für Zweifel an der Schrift und für den ist auch kein Raum mehr für Bibelkritik.

Aber für den ist jede Menge Platz und Raum in seinem Herzen, den Jesus gern mit seiner Liebe ausfüllen möchte.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienst gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Nun gehören unsre Herzen…“ (EG 93) von Fridrich von Bodelschwingh einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Karfreitag und ich freue mich wenn wir am Ostersonntag wieder beisammen sein dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber