Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Reminiszere, was mit „Gedenke mein“ übersetzt werden kann. Am heutigen Sonntag geht es auch folgerichtig um das Verhältnis zwischen Gott und uns Menschen. Im Glauben erfährt dieses Verhältnis seine wohl intensivste Form.
Um den Glauben geht es auch in unserem heutigen Predigttext, den wir im Hebräerbrief,
Kapitel 11, die Verse 8-10 finden. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

Liebe Gemeinde,

solch ein Glaubensheld möchte man sein. Gott ruft mich und ich schmeiße sofort alles hin, was ich habe. Ohne zu zögern folge ich Ihm nach in ein vollkommen fremdes Land, lebe dort in einem Zelt, also erstmal nahezu unterhalb der Armutsgrenze und vertraue auf Gott, dass am Ende alles gut sein wird.

Ich sage es frank und frei, das könnte ich so, wie ich es eben beschrieben habe, nicht tun. Ich glaube, unser Predigttext will uns auch in seiner augenscheinlichen Einfachheit noch etwas ganz anderes darlegen, nämlich wie ein Leben im Glauben und aus dem Glauben heraus ausschauen kann. Ich glaube, es sind drei Punkte die ein solches Glaubensleben auszeichnen:

1. Gehorsam

Das Wort Gehorsam ist ja heutzutage ein wenig negativ besetzt. Wer gehorcht denn heute noch. Vorher will man doch alles bis ins letzte Detail erklärt haben, bevor man etwas tut. Das Befehl und Gehorsam Modell treffen wir allenthalben noch in der Bundeswehr an. Aber das war’s dann auch schon.

Liebe Gemeinde, in dem Wort „Gehorsam“ steckt ja auch das Wort „Hören“.
Gehorsam kann ich also nur sein, wenn ich auf das höre, was mir gesagt wird.

Das ist alles so schrecklich einfach und schlicht, aber tun wir das heute überhaupt noch ? Ist es nicht vielmehr so, dass die Bibel kaum mehr gelesen wird, christliche Versammlungen immer weniger besucht werden und wir so ziemlich alles aus unserem weltlichen Leben herauszudrängen versuchen, was nach Glauben aussieht.

So kann man natürlich gar nicht auf das Wort unseres Herrn hören.
Abraham hatte eine ganz intensive Beziehung zu „seinem“ Gott. Vermutlich sprach er auch jeden Tag mit ihm. Und wenn ich mit jemand spreche, dann darf ich auch erwarten, dass dieser jemand mir antwortet. Alles andere wäre nämlich unhöflich. Und da Gott bekanntermaßen ein Gentleman ist, antwortet er auch jedem, der ihn aus vollem Herzen anruft.

Lassen Sie uns wieder auf Abrahams Spuren wandeln und regelmäßigen Kontakt mit unserem Herrn pflegen. Ich bin mir zu 100% sicher, dass ER einem jeden von uns, der so mit IHM redet, antworten wird.

2. Die Praxis

Bisher war alles schnöde Theorie. Wir reden mit Gott und Gott antwortet. Viele Menschen lassen es dabei bewenden und wundern sich, dass so rein gar nichts spannendes in ihrem Leben passiert.

Wenn wir Gottes Stimme vernehmen, dann sollen wir nicht nur zuhören, sondern das, was Gott uns sagt, auch in die Tat umsetzen.

Abraham folgte Gott nach und ging aus der vertrauten Heimat weg in die Fremde hinein. Er tat dies ohne Murren und Knurren, ja sogar ohne Gott noch einmal zu befragen, um vollkommen sicher zu sein. Abraham tat einfach das, was Gott ihm aufgetragen hatte.

Liebe Gemeinde, genau das sollen wir auch heute im Jahre 2014 tun. Wir haben es mit einem lebendigen Gott zu tun, der nur das Beste für Seine Kinder will. Also sollten wir darauf vertrauen, dass alles, wozu Er uns beruft auch wirklich zu unserem Besten ist.

Vieles, und das kann ich aus eigener Erfahrung beisteuern, klingt zunächst unrealistisch, kaum durchführbar bis hin zu total problematisch.

Aber wir dürfen eines nicht vergessen: Hinter uns steht jemand, der uns auf dem Wege begleitet, den Er uns vorgegeben hat. Wir müssen einfach nur losgehen, das ist alles.

3. Festes Vertrauen

Abraham lebte in der Fremde. Wir wissen nicht viel über seine Lebensumstände, wohl aber, dass diese schlechter waren, als vor seinem Auszug. Fremde Umgebung, fremde Menschen und die Ungewissheit, was wohl noch alles passieren wird. Wahrlich keine besonders rosigen Lebensumstände.

Aber trotzdem vertraute Abraham weiter allein auf Gott. Ein Leben im Glauben ist immer ein Leben aus dem „trotzdem“ heraus.

Herr, ich verstehe Dich nicht, warum ich meinen Arbeitsplatz verloren habe, aber „trotzdem“ gehe ich meinen Weg weiter mit Dir. Herr, ich verstehe nicht, warum ich so schwer erkrankt bin, aber „trotzdem“ gehe ich auch diesen Weg weiter mit Dir. Herr, ich verstehe es nicht, dass es so vielen Nichtchristen so gut und mir so schlecht geht, aber „trotzdem“ gehe ich meinen Weg weiter an Deiner liebenden Hand.

Liebe Gemeinde, wenn wir so unseren Weg mit unserem Herrn gehen, dann wird sehr schnell aus dem „trotzdem“ ein „gerade deswegen“. Gerade deswegen, weil wir unseren Herrn nicht immer verstehen, dürfen wir erkennen, dass Er es ist, der uns leitet. Einen Gott, den wir kennen wie unsere Westentasche, das ist kein Gott, das ist ein frommes Wunschdenken.

Wenn wir so dem Auftrag unseres Herrn folgen, dann werden wir am Ende unseres irdischen Lebens weder „trotzdem“ noch „gerade deswegen“ sagen, sondern nur noch anbetungsvoll ein „Danke Herr“ sagen können.

Der Liederdichter Philipp Spitta beschreibt ein Leben in der Nachfolge unseres Herrn, also ein Leben im Glauben sehr schön mit dem 6. Vers seines Liedes „Es kennt der Herr die Seinen…“ (EG 358), der da lautet, wie folgt:

So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei;
lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei !
Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn,
so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn.

Der Herr gebe Dir die Zeit, auf IHN und SEINE Botschaft zu hören
Der Herr gebe Dir die Kraft, SEIN Wort in die Tat umzusetzen
Der Herr lege ein grenzenloses Vertrauen in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag. Nehmen wir uns doch heute einmal eine halbe Stunde Zeit und hören, was uns der Herr sagen möchte.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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