ePredigt vom 11.05.2014 (Apostelgeschichte 17, 22-28a)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Jubilate, was übersetzt bedeutet: Jauchzet Gott alle Lande. Warum wir Grund zum Jubeln haben, das sagt uns der Wochenspruch für die kommende Woche:

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 17. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 22-28 a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Paulus aber stand mitten auf dem Aeropag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Liebe Gemeinde,

unser Wochenspruch hat uns ja schon darauf hingewiesen, das wir, die wir in Christus leben, eine neue Kreatur geworden sind. Wie sieht es denn nun konkret aus ein Leben in Christus ? Dies erfahren wir von Paulus am Ende unseres heutigen Predigttextes wenn er sagt: „Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ Damit spricht Paulus drei Punkte an, die ein Leben in Christus beschreiben. Schauen wir uns doch am heutigen Sonntag diese 3 Punkte ein wenig näher an.

1. In ihm leben

Wenn wir in Christus leben, dann sind wir mit Ihm zu einer Gemeinschaft verschmolzen. Im Urtext finden wir hier das Wort „Zao“. Das wiederum bedeutet: Geistig und körperlich auf ewig zusammensein. Was für eine gewaltige Perspektive, die wir als Christen haben. Stellen wir uns dies nur einmal plastisch vor. Jeder von uns ist mit Christus nicht nur geistig sondern auch auf der körperlichen Ebene in Ewigkeit verbunden.

Heute morgen, am Sonntag Jubilate sitzen wir nicht allein in unserem Gottesdienst. In einem jeden von uns wohnt auch unser Herr Jesus Christus, der schon auf Erden unser Leben in Händen hält und uns jeden Tag auf’s Neue führen und begleiten möchte. Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass DER Herr stets in uns wohnt, der immer nur das Beste für uns will ?

Egal, wo uns unser Lebensweg hin verschlägt, ER ist immer bei uns. Durch die geistliche Einheit haben wir eine spirituelle Gemeinschaft mit IHM.

Erinnern wir und kurz an die Übersetzung des Wortes „Zao“. Dort stand „ewig zusammensein“. Und das sind wir als Christen auch, nämlich auf ewig mit unserem Herrn zusammen. Wenn wir es so wollen, dann gibt es für uns als Christen eigentlich keine Zeit mehr.

Unsere Zeit, liebe Gemeinde, läuft nicht einfach so ab. Wir sind auf ewig mit Christus verbunden. Selbst wenn wir unseren irdischen Körper verlassen, so sind wir weiterhin mit Jesus in einer Einheit verbunden.

Wenn wir uns dies vergegenwärtigen, dann bekommen viele Dinge auf Erden auf einmal eine ganz andere Dimension. Am Ende unseres irdischen Lebens ist eben nicht alles vorbei. Das heißt ich muss mich nicht krummlegen, um mir hier möglichst viel erlauben zu können. Auch berufliche Karrieren werden dann wieder in das rechte Licht gerückt. Es ist eben nicht der primäre Lebenssinn, dass ich 7 Tage die Woche arbeiten muss, um möglichst viel Ansehen und Geld zu verdienen.

Als Konsequenz möchte ich einmal sagen: „Gott rückt wieder gerade, was bei uns verrückt ist.“ Lassen wir es doch einfach geschehen. Es wird niemals zu unserem Nachteil sein.

2. In ihm weben

Das ist nun für unsere Ohren ein recht komisches Wort. Spinnweben kennen wir alle. Aber was hat dies mit unserem Leben als Christ zu tun ? Wir spinnen ja schließlich nicht, oder doch ?

Auch hier ist der Urtext sehr hilfreich. Dort finden wir für das Wort weben das Wort „Kineo“. Dies bedeutet: In Bewegung geraten.

Wie die Spinne in Bewegung gerät, so sollen auch wir als Christen in Bewegung geraten. Es ist eben nicht damit getan, dass wir uns zu unserem Herrn bekehren, Ihn einladen in uns Wohnung zu nehmen, um dann so fortzufahren, wie wir bisher gelebt haben.

Wenn ER in uns Wohnung nimmt, dann geraten wir mit Ihm zusammen automatisch in Bewegung. ER zeigt uns den neuen Weg, den ER mit uns gehen will. Und dann, liebe Gemeinde sind wir aufgerufen, aktiv zu werden. ER zeigt uns wozu ER uns berufen will. Wir sollen uns dann aufmachen und diesen Weg gehen.

Nun ist das nicht immer so einfach, wenn wir vom Herrn berufen werden.
Als ich berufen wurde, bekam ich jedes Mal einen hochroten Kopf und fing an zu stottern, wenn ich vor mehr als 5 Menschen reden sollte. Ich habe tatsächlich den Herrn gefragt, ob Er sich vielleicht vertan hat und doch jemand anders meint, der Sein Wort besser verkündigen kann.

Die Antwort war erst einmal ernüchternd. Und dann fiel mir auf einmal der letzte Satz unseres Predigttextes ein. Wenn das so ist, dass Christus in mir lebt, Er also jeden Tag mit mir unterwegs ist, dann steht Er auch mit mir vor den Menschen, denen ich Sein Wort verkündige.

Dann fiel mir die Sache schon wesentlich leichter. Es war nicht so, dass jede Anspannung abfiel. Aber es war so, dass ich mich sehr gut vorbereitet habe und in dem Moment wo ich aufstand, überkam mich eine groß Ruhe und Gelassenheit. Und dies ist bis heute so. Ich mache das, was ich in Ausübung meiner Berufung tun kann. Das andere überlasse ich dem Herrn

Wenn wir in Ihm in Bewegung geraten, dann ist ER es, der die gesamte Bewegung auch steuert. Also keine Angst vor großen Berufungen. Mit DEM Steuermann an unserer Seite wird alles gut werden.

3. In ihm sind wir

Lassen Sie mich dazu kurz noch ein letztes sagen. Das Wort „Sind“ kommt ja von „Sein“. Und damit drückt Paulus etwas ganz entscheidendes aus:
Vor Gott ist das Sein wichtig und nicht das, was wir leisten, haben oder besitzen.

Wenn wir zu Ihm kommen, sollen wir zunähst einmal „Sein“. Wir sollen so sein, wie wir nun einmal sind. Wenn wir so zu Ihm kommen, so können wir in Ihm ruhen und unseren Frieden in Ihm finden. Ganz ohne Hektik und Stress.

Erst wenn wir vor Gott zur Ruhe kommen, erst dann können wir auch Gott in uns wirken lassen. Erst dann können wir Seine Stimme hören und verstehen.

Unser Leben ist zunehmend hektischer geworden. Und im Trubel des Alltages fällt es uns allen sicherlich zunehmend schwerer, Zeiten der Ruhe zu finden.

Und darum, liebe Gemeinde, ist auch der Sonntag so wichtig für uns, als ein Tag, an dem wir vor Gott zur Ruhe kommen können. Ein Tag, an dem uns nichts mehr ablenkt, wo einmal nicht andauernd das Telefon klingelt, wo wir einmal nicht ständig abrufbereit sein müssen. Ein Tag, also wo wir einfach nur „sein“ können.

Ich wünsche uns allen, dass uns dieser Wochentag (Sonntag) noch möglichst lange als ein solcher freier Tag erhalten bleiben möge.

Das Leben unseres Herrn in uns beschreibt der Liederdichter Benjamin Schmolck sehr schön in dem 2. Vers seines Liedes „Tut mir auf die schöne Pforte…“ (EG 166), der da lautet, wie folgt:

Ich bin, Herr, zu dir gekommen,
komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen,
da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein,
lass es deinen Tempel sein.

Der Herr lasse Dich immer wieder SEINE Gegenwart in Deinem Leben spüren
Der Herr lasse Dich erkennen, wozu er Dich berufen hat
Der Herr gebe Dir allzeit die Kraft, Deine Berufung frohen Herzens auszuüben

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in diese neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber