ePredigt vom 06.04.2014 (Hebräer 13, 12-14)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Judika. Der heutige Sonntag beschäftigt sich mit dem Thema Gehorsam. Wie Jesus gehorsam war und den schweren Gang an das Kreuz ging, so sollen auch wir Gott gegenüber gehorsam sein, auch wenn uns das eine oder andere manchmal so gar nicht passt.
Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 13. Kapitel des Herbräerbriefes, die Verse 12-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Liebe Gemeinde,

Gehorsam gegenüber unserem Herrn ist nicht immer einfach, dient uns aber in allen Dingen zum Besten. Darauf dürfen wir unser ganzes Vertrauen setzen. Lassen Sie uns die drei Sätze unseres heutigen Predigttextes einmal chronologisch betrachten, denn in ihnen steckt das gesamte Evangelium und somit auch unsere gesamte Zukunft.

1. Gelitten draußen vor dem Tor

Jesus litt „draußen“, damit wir wieder „drinnen“ sein können. Die Betonung liegt in diesem Falle auf dem Wort KÖNNEN.

Gott lässt uns nämlich die freie Wahl. Jesus ist für uns draußen vor dem Tor den Tod eines Verbrechers gestorben, den wir eigentlich verdient haben. Mit diesem Tode hat Er ein für alle Male für all unsere Sünden bezahlt. Für diejenigen der Vergangenheit, für diejenigen der Gegenwart, aber auch für alle zukünftigen Sünden.

Jetzt kommt der Dualismus der Gnade. Es ist ja nicht so, dass damit alle Menschen erlöst wurden. Nein, liebe Gemeinde, allein mit dem Bezahlen der Sünde ist es noch nicht getan. Mit Jesu Tod wurde das KÖNNEN geschaffen. Es kommt nun auch auf das WOLLEN an. Dieses Gnadengeschenk gilt nämlich nur für die Menschen, die diese Gnadentat auch im Glauben annehmen wollen.

Nur wenn ich die Gnade auch annehme, darf ich der festen Gewissheit sein, dass ich in den Himmel kommen werde. Wir sehen, es besteht auch die Option der ewigen Verdammnis. Diese ist bestimmt für Menschen, die dieses Gnadengeschenk nicht annehmen wollen. Gott lässt einem jeden Menschen die freie Wahl. Keiner wird gezwungen, in den Himmel zu kommen.

2. So lasst uns hinausgehen

Nun dürfen wir den Gedanken von gerade eben noch einmal aufnehmen. Gott möchte nicht, dass auch nur ein Mensch in der Hölle landet. Gott möchte, dass alle Menschen errettet werden.

Jetzt haben wir aber ein Problem: Genau diese Menschen finden wir nicht sonntags in der Kirche, in der Bibelstunde und anderen christlichen Gemeinschaftsveranstaltungen. Das hat natürlich zur Folge, dass wir unsere Komfortzone der Kirche verlassen müssen.

Natürlich ist es schön unter Gleichgesinnten Gott zu loben und IHM die Ehre zu geben. Da ist auch gar nichts gegen einzuwenden. Wir benötigen diese Zeit mit Gott auch, damit Er uns wieder mit neuen Kräften ausstatten kann.

Diese Kräfte, liebe Gemeinde, sollen wir dann einsetzen, um die Menschen zu erreichen, die sich noch außerhalb der Gnade befinden.

Ich sage es einfach mal ganz klipp und klar: Wenn Jesus für uns draußen vor der Stadt den Erlösungstod gestorben ist, dann sollten wir doch in der Lage sein, dies unseren Mitmenschen weiterzugeben. Natürlich ist dies nicht immer einfach.

„Seine Schmach tragen“, so lesen wir es in unserem Predigttext. Und jetzt kommen wir zum Gehorsam. Wir sollen in Demut und im Gehorsam die frohe Botschaft weitergeben. Auch, und gerade dann, wenn wir dafür mal schief angesehen werden oder belächelt und verspottet werden. Da, liebe Gemeinde, müssen wir einfach durch.

Aber wir haben einen Beistand. Der, der nicht im Tode blieb, der den Tod auf ewig besiegt hat, den Gott am dritten Tage auferweckt hat von den Toten, der ist unser Beistand.

Ein kleiner Tipp aus der Praxis, der mir immer wieder hilft: Vor schwierigen Gesprächen, insbesondere bei Versammlungen wo eben Kritik ohne Ende auf mich niederprasseln kann, bespreche ich die Lage vorher mit meinem Herrn.

Ich habe danach immer das feste Gefühl und die Gewissheit, dass ich immer in vorbereitete Verhältnisse komme. Natürlich kommt nach wie vor die gesamte Palette von Ignoranz, Dummheit und Kritik. Aber sie trifft mich nicht mehr persönlich. Und dann kann ich viel gelassener mit solchen Situationen umgehen.

3. Keine bleibende Stadt

Als Christen sind wir auf der Reise. Unser ganzes Leben lang.

Wissen Sie, was das trügerischste Instrument auf Erden ist ? Es ist unsere Uhr. Schauen wir einmal auf die Zeiger der Uhr. Jede Stunde beginnt wieder alles von vorn. Wir übertragen dies gern auf unser Leben. Das ist der große Trugschluss.

Unser Leben ist keine Uhr, sondern eine Einbahnstraße. Jeden Tag gehen wir ein Stück weiter auf dieser Straße. Niemals können wir ein Stück weit zurückgehen. Wir laufen immer weiter vorwärts.

Unsere Heimat ist der Himmel, den wir am Ende der Zeiten erreichen werden. Bis dahin dürfen wir an des Herren Hand unser Leben hier auf Erden leben.

Daher ist das Christenleben auch so spannend. Auf der Einbahnstraße kommen wir immer weiter voran. Nichts wiederholt sich vollkommen identisch. Wir werden immer wieder neuen Aufgaben begegnen, die wir mit unserem Herrn zusammen meistern sollen.

Und das allerschönste an diesem Christenleben ist, dass es sich zwar um eine Einbahnstraße handelt, aber nicht um eine Sackgasse. Am Ende steht eben nicht unser irdischer Tod und dann das große schwarze Loch. Am Ende steht zwar unser irdischer Tod. Aber durch den gehen wir nur hindurch hin zu unserem Herrn. Und dann sind wir in der zukünftigen Stadt, die wir hier auf Erden unser Leben lang gesucht haben.

Daher, liebe Gemeinde, wird das Thema irdischer Tod im Neuen Testament auch kaum mehr gewürdigt. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass wir durch die Annahme des Gnadengeschenkes Gottes schon das ewige Leben als Zusage erhalten haben, dann ist grundsätzlich unser irdisches Ableben bedeutungslos. Als Christen gehen wir heim zu unserem Herrn, um mit Ihm zusammen die Ewigkeit verbringen zu dürfen.

Das alles tat unser Herr für uns, als Er draußen vor dem Tor gelitten hat und all unsere Sünden auf sich genommen hat. Folgen wir Ihm doch einfach nach. Lassen wir doch IHN unser Leben bestimmen.

Denjenigen, der uns dabei hilft, diesen Weg zu gehen, den beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem zweiten Vers seines
Liedes: „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich…“ (EG 351), der da lautet, wie folgt

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu,
dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei
und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh
und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

Der Herr gebe Dir die Kraft, SEINE Botschaft frohen Herzens zu verkündigen
Der Herr gebe Dir den Mut, IHN Deinen Mitmenschen gegenüber zu bezeugen
Der Herr gebe Dir stets die Gewissheit des ewigen Lebens in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber