Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 12, die Verse 1-4a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Abrahams Berufung und Zug nach Kanaan

Und der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abraham aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm.

Liebe Gemeinde,

was wir soeben gehört haben ist die die Geschichte einer Berufung, wie Gott auch Sie und mich in den Dienst ruft. Stellen wir uns doch einmal die folgende Frage und denken 1 Minute darüber nach: Wäre ich auch gegangen?
Ganz schön schwer die Antwort, nicht wahr ?

Lassen Sie uns daher heute morgen einmal gemeinsam darüber nachdenken, was denn zu einer Berufung dazugehört, damit sie so verläuft, wie wir es in unserem Predigttext gehört haben.

1. Vertrauen

Wenn mich jemand zu einer Aufgabe beruft, dann muss ich diesem jemand auch voll und ganz vertrauen. Keiner von uns würde wohl auf Geheiß eines wildfremden Menschen seinen Job aufgeben und das machen, was dieser ihm aufträgt zu tun.

Vertrauen kann ich aber nur jemandem, den ich kenne und zu dem ich eine Beziehung unterhalte. Damit ist schon einmal klar, dass vor einer Berufung Gottes an uns, ein Vertrauensverhältnis und eine persönliche Beziehung vorhanden sein muss.

Wie lerne ich Gott denn nun kennen? Ganz spannende Frage, da sie individuell unterschiedlich verläuft. Wer ihn noch gar nicht kennt, und diesen Menschen werden Sie auch begegnen, dem empfehle ich das Studium des Neuen Testamentes. Übrigens: Es schadet nichts, den „Neuling“ in die eigenen Fürbitten mit einzuschließen.

Nach dem Kennenlernen und vor der Berufung muss aber noch die persönliche Beziehung kommen. Wir kennen ja alle viele Menschen, ohne hingegen eine Beziehung zu diesen zu unterhalten. Natürlich kenne ich Angela Merkel, stehe aber in keiner persönlichen Beziehung zu ihr.

Eine persönliche Beziehung zu Gott bekomme ich dann, wenn ich das, was ich im Neuen Testament erfahren habe, ganz persönlich für mich in die Tat umsetze. Das bedeutet: Sünden bereuen und umkehren in die liebenden Arme des Vaters.

2. Gehorsam

Jetzt ist der Neuling also frisch bekehrt und geht seine ersten Schritte im Glauben. Und jetzt kommt auf einmal eine Berufung auf den Neuling zu. Was soll er tun ?

Als erstes einmal muss er seine Berufung anhand der Bibel prüfen, ob sie auch wirklich bibelkonform ist. Wir müssen nämlich immer auch daran denken, dass uns auch finstere Mächte umgeben, die mit allen Tricks und Kniffen versuchen, uns in ihren Bann und damit weg von Gott zu ziehen.

Gott verstößt niemals gegen sein Wort. Wenn wir also die Berufung erhalten, im Namen Gottes die Reichen zu bestehlen um die Beute dann unter den Armen zu verteilen dann ist dies alles andere als Gottes Berufung, wie jeder unter uns in den zehn Geboten nachlesen kann.

Jetzt hat der Neubekehrte festgestellt, dass es tatsächlich eine Berufung des Herrn ist, die ihn ereilt hat. Und jetzt kommt es darauf an, diese Berufung auch 1:1 umzusetzen. Wenn Gott uns beruft, dann sollen wir genau an dem Platz wo wir sind und genau zu der Zeit der Berufung unserer Aufgabe nachgehen.

Aufschieberitis ist hier genauso falsch am Platz, wie die eigene Interpretation des Wortes Gottes. Natürlich werden Gottes Berufungen unbequem sein und dann heißt es für uns: Raus aus der Komfortzone und rein in die Berufung. Es kann sogar sein, dass eine Berufung unsere eigenen Träume und Wünsche durchkreuzt.

Dann gilt es als oberste Priorität dem Auftrag Gottes nachzugehen und die eigenen Wünsche und Träume an die Seite zu stellen.

3. Einfach gehen

Man kann natürlich auch im eigenen stillen Kämmelein hocken bleiben und warten, was denn nun wohl passieren mag. Gewöhnlich passiert gar nichts.

Wenn Gott uns als Werkzeug gebrauchen möchte, dann müssen wir uns auch diesem Dienst stellen. Am Anfang stehen wir vielleicht vor einem hohen Berg und können kaum den Gipfel erkennen. Aber wenn wir mit Gott zusammen losgehen, dann wird er uns auf seinen Pfaden auch zum Gipfel führen.

Das Geheimnis der Berufung besteht ja gerade nicht darin, dass Gott seine Hoheit aus der Hand gibt, sondern seine Gottheit stets um uns herum ist. Stellen Sie sich einen Lehrling vor, der zum ersten Male einen Automotor auseinandernehmen muss. Glauben Sie allen Ernstes, der KFZ-Meister sagt zu ihm: Du, mach das mal, ich muss mal eben weg. Du kannst das schon. Wohl kaum. Der Meister wird ihm die ganze Zeit über die Schulter schauen und sofort eingreifen, wenn etwas in die Hose zu gehen droht.

Und genau so ist es auch bei unseren Berufungen. Gott ist stets nur ein Gebet weit entfernt. Wir sollen also nicht nur einfach losgehen, sondern auch in ständigem Kontakt mit ihm bleiben. Dann werden wir unserer Berufung auch gerecht werden.

Jetzt müssen wir noch kurz über die soziale Absicherung reden. Zur Zeit, wo unser Predigttext spielt, gab es noch keine AOK, keine Rentenversicherung und auch noch keine Arbeitslosenversicherung. Diese Aufgaben nahmen die Familienangehörigen und die gesamte Verwandtschaft wahr. Obwohl es ein Tanz auf der Rasierklinge hätte werden können, folgte Abram ganz einfach dem Wortes Gottes voller Vertrauen. Er verließ einen Großteil seiner Verwandtschaft und folgte Gott nach.

Heute wissen wir warum. Der uns beruft hat uns versprochen: Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Ausgestattet mit dieser Zusage, die unwiderruflich gilt, können wir uns unverzagt und unverzagt mit Gott auf unseren Berufungsweg machen.

Der Liederdichter Paul Gerhardt beschreibt unseren Lebensweg unter der Herrschaft Gottes hier auf Erden sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes: „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber